Tokyo Life

Müll und Luxus

Hallo an alle!

Das Internet hält mich momentan zum Narren, sodass ich nichts schreiben konnte. Mal tut es so, als würde es funktionieren (ich freu mich) und wenn ich etwas anklicke, macht es sich schnell aus dem Staub. Ich kann das kleine rote Kreuz unten rechts in der Ecke, das kommt und geht, wie es will, schon langsam nicht mehr sehen. Aber es gibt Schlimmeres. Naja, z.B., dass ich schon 2 oder 3 Tage nicht mehr mit Flo telefoniert habe. Kann auch länger her sein. Die Zeit vergeht hier doch irgendwie. (Stand 05.04.09, Sonntagmorgen) Zusatz: So, suche wieder seit 10 Minuten ein Netz, das mal ausreichend lange greifbar ist, um den Beitrag zu senden.
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Irgendwie habe ich nach der Sache mit der kleinen Miez am nächsten Tag (31. März) nicht viel mit mir anstellen können und wollen. Die Füße tun eigentlich dauerhaft weh, und mir geistert einfach zu viel im Kopf herum. Um mich ein wenig abzulenken, bin ich in den Bezirk Ueno gefahren, um dort ein wenig durch den Park zu laufen und dann auch gleich noch in den Zoo zu gehen.

Auf dem Weg dorthin bin ich an einem 100-Yen-Laden vorbeigekommen, das Pendant zu unseren T€DDY-Märkten, nur eben noch günstiger und alles 100 Yen zzgl. Mwst. von 5 %, manches auch 105 Yen (+ Märchensteuer), dann extra mit Schild ausgewiesen. Habe neben einem total bekloppten Haarband (um nasse Haare nach dem Duschen aus dem Gesicht zu halten) mit Froschkopf drauf noch eine Winnie-the-Pooh-Bear-Hanamisitzplane und diese Koala-Bären in Geschmacksrichtung Erdbeere und Banane (bei uns gibt es nur Milch und Schokolade). Sehr lecker.

Dann bin ich ein wenig durch den Park gestriffen. Natürlich wieder alles voller Hanami-Festlichkeiten und Menschen und Tempel und Schreine. Erstaunlich finde ich, dass Ankündigungen und Vorgehenseisen am Schrein diesmal mit Manga-Comicfiguren dargestellt waren. Das hätte ich an einem heiligen Ort nicht erwartet. Auch hier habe ich mir die Hände gewaschen und den Mund gespült, bevor ich mich die Treppen zum Schrein hinaufgewagt habe. Allerdings machen das offenbar die wenigsten. Die hauptsächliche Menschenmasse ist nämlich genauso Tourist im eigenen Land oder sogar in der eigenen Stadt wie ich.

Weiter in einer Stadt beinahe ohne Mülleimer (Tatsache, wenn es in Tokio noch etwas gibt mit seltenerer Anwesenheit als Deutsche, dann sind es Mülleimer – mit Glück im Bahnhof zu finden oder in einer Organisation wie Zoo oder Disney Resort), erstaunt es mich, was für ein Aufwand zu Hanami betrieben wird. Riesige Mülltaschen (richtig, nicht Säcke, sondern Taschen), für jede (vertretbare) Sorte Abfall eine. Plastik, Dosen, PET-Flaschen, Glasflaschen, Schaumstoff und Styropor, Pappe, Restmüll und Brennbares. Brennbares? Hmn.. Eigentlich brennt ja alles bis auf Glas und Aludosen, oder? Und PET-Flaschen bestehen ja auch aus Plastik. Entschuldigung, Kunststoff ^_^ (Hommage an meinen Job). Naja, das ist deren Sache.

Toll auch die Hinweisschilder, die Japaner immer so aufstellen. Das am Ueno-Park besagt: Kein Verkauf oder Werbung ohne Genehmigung (Zeichen: Hand mit Yenschein und Apfel, durchgestrichen). Tauben und Katzen füttern verboten (warum nicht einfach „Tiere füttern verboten? Die Karpfen, Krähen und Spatzen dürfen wir also bedenkenlos voll stopfen?). „Don’t play with fire or do other dangerous activities“ –> sehr variable Beschreibung. Ich glaube, laut Musikspielen gehört da auch dazu. Übrigens tolles Zeichen: durchgestrichene weiße Fläche mit nichts drin. Keine Hunde ohne Leine. Keine Motorräder (da sind überall Treppenstufen und Stopper, Leute!). Kein Zutritt zwischen 23 und 5 Uhr (es gibt aber keine Schranken?!), Rasenbetreten verboten (lauter Bäume abgebildet). Ja, alles fein. Übrigens gleich darauf die erste Frau erblickt, die ununterbrochen Enten und Möwen füttert – und die Tauben verscheucht. Denn der gute Japaner hält sich an Vorschriften! Ich frage mich nur, warum die ollen Tauben trotzdem so fett sind... Die sehen übrigens genauso aus wie unsere. Die Krähen aber nicht, und die klingen auch ganz anders.

Daraufhin habe ich mal ein Foto von mir geschossen und bemerkt, dass meine Frisur ganz abscheulich sitzt. Hab ewig an mir herumgezuckelt und war froh, dass es weder Kleider- noch Stylingordnungen gibt. Dann an den ganzen Ständen vorbei. Tolle Sachen gibt es da. Bananen mit Überzug und bunten Streuseln (nein, Flo, ich hab tatsächlich keine gefuttert!), Spiralkartoffel am Spieß (ja, eine ganze Kartoffel in einem Ringel geschnitten und auf einem Spieß frittiert – sah aus wie ein Tannenbäumchen), ganze kleine Fische hochkant am Spieß auf Holzkohle im Kreis gegrillt, verschiedene Nudelgerichte, ungekochte Spaghetti frittiert (seltsame Zubereitungsart), Süßkartoffelschnitze (sehr lecker und wirklich sehr süß, Maiskolben, Suppen, Chickennuggets (nur wollt ihr nicht wissen, welche Teile vom Huhn alles hinein kommen -_o), Hotdogs (also eigentlich nur Würste am Spieß ^_^), Omelettes (bloß nicht essen, sind keine richtigen, sondern Ei und Teig – brrr, süßes Eierpfannkuchen-Eischwabbel-Omelette mit Gemüse und Ingwerstreifen) usw. Und natürlich Döner. Also alles gar nicht sooo anders als bei uns.

Noch mehr Schreine und Tempel, aufmüpfige Möwen, schöne Boote auf dem Shinobatsu-Teich, Goldfische für 100 Yen das Stück zum Selberfischen (laut Erfahrung eines Bloggers halten die 2 Wochen bis 2 Monate, dann ist das Kindergeschrei groß und Lumpi, Sakura, Chinchan oder wie auch immer der gute Flossenfreund hieß, wird in der Toilette beerdingt), langweilige Karpfen und dicke süße Katzen, hässliche Schoßhunde (Größe meist bis Langhaardackel, Mops oder Minispitz) in noch hässlicheren Kleidchen und seltsam gekleideter Jugend (Tokio ist eine Weltmetropole, also merken und kaufen, denn bald schwappt der Stil – leider – wohl auch zu uns). An einem Stand hätte ich gerne etwas gekauft. Ein alter Mann mit einem Holzkarren und ein paar Bänken dahinter. Es duftet verführerisch, auch wenn man nicht erkennt, was sich da alles an geruchstechnischen Köstlichkeiten auf dem Grill befindet. Leider bin ich total satt und kann dem Guten keinen Besuch abstatten. Also begebe ich mich in den Zoo, den ich nach dem 3. Anlauf auch schon finde. Es gibt einfach zu vieles, was mich ablenkt. Ein kleiner Schrein mit vielen roten Torii hintereinander, die eine Gasse bilden, sieht wunderschön aus. Alte Steinsäulen ähnlich Laternen säumen die Wege, ein kleiner Kindervergnügungspark ich richtig schön hergerichtet… Aber ich schaffe es und erreiche mein Wegeziel.

Bei einem Eintritt von 600 Yen für Erwachsene (also unter 5 Euro) sollten sich so manche Zoos mal ein Beispiel dran nehmen. Es waren wirklich viele Menschen dort (was in einer Millionenstadt wie Tokio eigentlich auch nicht verwunderlich ist), und so schlecht waren die Anlagen nun auch nicht. Aber mit Hannover natürlich dennoch nicht zu vergleichen. Drinnen angekommen, mache ich es den Einheimischen nach und schnappe mir gleich eine solche jenige, um ihr meine Kamera in die Hand zu drücken und zu einem Foto zu nötigen. Gesagt, getan. Dankbar verbeugt. Da ich kein zappelndes Kind habe, fallen Wiederholungen flach und ich kann auch getrost die in Reih und Glied bereitgestellten Kinderwagen ignorieren, die der Zoo zur freien Verfügung offeriert (klasse Service). Der Zoo ist schön angelegt, aber ist halt eben ein Zoo. Ich schreibe da nun nicht so viel drüber. Wer die „Wilhelma“ in Stuttgart kennt und dann noch ein wenig Liebe hinzudenkt, der hat in etwa den Ueno-Zoo vor Augen. Süß übigens auch die sanitären Einrichtungen – für die Kids passend geht es eben „für kleine Elefanten“ im rosa Kleidchen oder blaues Pendant in Latzhose.

 Nach dem Zoo habe ich einen Abstecher auf den Ameyoko-Markt unter und neben der Bahn gemacht. Früher ein heimlicher Schwarzmarkt, werden hier heute öffentlich und gebilligt (sogar mit durch die Stadt angebrachtem Bogen mit „AMEYOKO“ am Straßenanfang) z.B. Markenkleidung und –Uhren oder auch frische Lebensmittel verkauft. Ganz lecker sind Krebsbein-Stücke (!) mit 50 cm-Länge (ein Glied des Beines also) oder Tintenfischtentakel in Armstärke in Blutlache anzusehen. Die Düfte von frischgebackenem Weißbrot und Gebäck vermischen sich mit dem Geruch von Fisch und anderem Meeresgetier. Gewöhnungsbedürftig. Ich kann mich da eher nicht entscheiden. Aber wahrscheinlich ist das so, wenn man nichts braucht und über die zufälligen Düfte und Eindrücke beim Kauf geht.

Und als wäre dieser Menschenauflauf nicht genug, steige ich zufällig an einer Haltestelle auf gut Glück aus und lande im Bezirk Roppongi, einem früher vor dem Platzen der Seifenblasenperiode (und eigentlich auch noch heute) sehr reichen Gebiet mit horrenden Grundstückspreisen und Läden, in denen ein Hut ab 180 Euro kosten, ein paar Strümpfe 45 Euro, und Designer wie Luis Vuitton (sowieso der absolute Held hier bei den Damen – und wen man nur einen Schlüssellederbeutel mit LV-Print hat, man MUSS etwas haben, um Frau zu sein) ihren Sitz und sogar eigene Boutiquen haben.

Auch hier habe ich mal wieder ein wunderbares Schild gesehen: „Alle Tiere müssen in diesem Gebäude auf dem Arm oder in Tragetaschen transportiert werden.“ Sehr schön. Verstärkt die Paris-Hilton-Taschenhund-Sympathie doch noch mehr. Oder: Hundtaschen statt Handtaschen o_O

Als es dunkel wird, wirkt MAMAN, die Riesenspinne auf dem Platz (was macht hier eine Spinne?) noch bedrohlicher, dafür hat man einen herrlichen Blick auf den nun beleuchteten Tokio Tower (Eifelturm, ich erwähnte). Hätte beinahe die Zeit vergessen, wäre es nicht mal wieder plötzlich mit Sonnenuntergang windig und ars… äh, saukalt geworden. Da auch das herrliche Farbspiel der Fontaine im Hof, der kleine grüne Park am Fuß des Gebäudekomplexes, der viele Marmor und die zahlreichen Riesenleinwände mit Vorschau auf japanische Soaps ala Dallas oder spanischer Seifenopern (wie rückschrittlich) den Wind nicht wett machen können, begebe ich mich nun endlich nach Hause mit einem kleinen Abstecher über das doch nicht so beeindruckende Tokio International Forum in Schiffsform (ein Kulturzentrum mit verschiedenen Hallen für künstlerische Darbietungen – und die üblichen Edelrestaurants). Nun wartet ein erholendes heißes Bad bei 45 ° plus auf mich.

1 Kommentar 5.4.09 01:51, kommentieren

So schlechter Tag - das kann eigentlich kaum noch etwas toppen

Die Weissagung scheint einen Teil Wahrheit zu beinhalten und sich minimal auszuwirken. Mit mir ist soweit alles gut, aber meine Meinung über das Land hat sich doch nochmals ein wenig geändert.

Erst einmal kurz den eigentlichen Tagesablauf an sich. Wollte zum Tokyo Disney Resort. 380 Yen bezahlt, weil nicht Metro-Linie. Angekommen, Richtung Ticketschalter für die Eintrittskarte. Auf der letzten Brücke angekommen, hört man erst Lautsprecher: "Alle Ticketverkäufe aufgrund der aktuell hohen Besucherzahl gestoppt. Voraussichtlicher Verkaufsstart und Einlass weiterer Besucher ab ca. 17 Uhr. Bitte entschuldigen Sie und haben Sie Verständnis. Vielen Dank für Ihren Besuch." Hallo? Die spinnen doch. Nur Leute mit Tagestickets, die genau auf diesen Tag ausgestellt wurden, Jahreskartenbesitzer und Hotelgäste durften rein. Angeblich schon um die 70.000 Leute gegen 10:30 Uhr im Park gewesen. Ich also irgendwann nach einer Stunde Hoffnungswarten abgedackelt. Hatte vorher noch versucht, auf Englisch und Japanisch ein Ticket für Morgen zu ergattern. Nee, morgen auch ausverkauft. Nach besagter Stunde konnte mir das jemand mitteilen - weil keiner Englisch konnte und es offenbar im Park und bei den 100 Sicherheits- und Serviceleuten an den Eingängen keine Sau gibt, die Englisch sprechen kann. Sorry, aber das ist mir unverständlich. Das ist ein mehrsprachig geführter (Internet und Lautsprecheransagen vor Ort) Vergnügungspark einer Weltmarke (DISNEY, HALLO?).
die ganzen Japaner sind einfach wieder weggewackelt und haben noch fleißig im Souvenirshop eingekauft (obwohl sie nichtmal was vom Park gesehen haben!!).

Dann am Bahnticketschalter wieder mit einer guten Dame herumgeschlagen, von der ich ein Tagesticket günstig erstreiten wollte. 380 Yen hatte ich vergeblich gezahlt, um zur Disneybahnhaltestelle zu kommen. Ein Tagesticket für die überirdische Linie kostet 980 Yen. Ich wollte darauf bestehen, dass sie mir mein Ticket umtauscht, indem ich ihr 600 Yen gebe und damit auch gesamt 980 Yen geblecht habe. Leider reichte ihr Englisch nur für "1 Ticket oder zwei, und dieses hier kostet zwar noch mehr, aber man kann alle Bahnen in Tokyo fahren (1.580 Yen)". Doofnuss. An einem Serviceschalter an einem Bahnhof, geschaffen für den Disneypark, eine internationale Marke mit internationalen Besuchern, mit dem Hinweis "Information & Tickets" am Schalter, kann kein Englisch. Tolle Wurst, super, liebe Japaner. Mitgedacht.

Ich bin also nach nochmaligem Blechen ins Hotel zurück gefahren und wollte dann eigentlich einen Auszeittag nehmen. Ich kann eh nicht mehr richtig laufen seit den ganzen Tagesmärschen, habe einen Sonnenbrand auf der Nase (dank Disney - aber das ist nicht so schlimm) und wollte dann einfach später nochmal durch mein Viertel streifen und mir das mal ansehen.

Bin erst in den obersten Stock des Hotels gestiegen und von da aus aus dem Fenster ein paar Umgebungsbilder gemacht. Dann bin ich raus, hab mal wieder ein paar kleine Schreine entdeckt, wie es sie hier zu Hauf gibt. Die Leute stapeln ihre Autos hier an großen moderneren Wohnanlagen (sicherlich 200 Parteien in einem Haus) in einer Stapelgarage. Voll krass. 3-4 Autos übereinander per Knopfdruck. Aus den Laternen auf einer kleinen Einkaufsstraße (wies aus kleinen Städtchen bekannt ist) kommt einheitlich die ganze Straße entlang Musik. Da sind feste Lautsprecher integriert. Tz. Kanaldeckel haben eine Blüte als Verzierung auf der Oberseite. Und ich bin nur 15 Minuten vom Sumida River entfernt, meinem bisherigen Lieblingsbereich. Vielleicht 25 Minuten zum Lieblingspunkt. Bisher.

Da fing das mit dem Scheißtag nämlich erst richtig an. Ich bin unten am Wasser entlang gelaufen. Irgendwann kam ich an eine Kurve, an der auch vor und hinter mir jeweils ein blaues Zelt aufgebaut war. Also eine Obdachlosenunterkunft mit Plane und Kartons und allerlei gebaut. Eine Obdachlose saß draußen. Vielleicht 5-7 Meter weiter kauerte eine weiße Miez. Ich dachte, dass da was nicht stimmt. Eigentlich sind die recht aufmerksam, und wenn man näher kommt, oft schreckhaft. Als ich hin ging, hab ich gemerkt, dass sie am abkrepeln war.

Die arme Miez war dürr (ich hab sie gestreichelt) wie ich selten eine Katze erlebt oder im Fernsehen gesehen habe. Die Augen leicht verklebt, Schleim am Maul bzw. ein Faden aus dem Maul heraus hängend. Sie kauerte da hockend mit dem Kopf auf der Straße. Der Atem ging ganz seltsam und niemand tat etwas. Es gingen Leute vorbei, ich schüttelte den Kopf, wies auf die Katze. Interessierte niemanden. Ich hab versucht, der kleinen etwas zu trinken zu geben. Sie konnte nichtmal richtig das Maul aufmachen. Eine Pfote streckte sie von sich, als sie sich bewegte. Nicht gebrochen, aber entweder lahm oder schmerzend oder aber sie war einfach zu fertig, um die Pfote zu benutzen. Ich habe so geweint. Mir tat die kleine so leid. Und ich saß da weinend, beträufelte das Maul der kleinen mit Grüntee (mir war egal, ob sie das vertragen würde oder nicht) und wusste, dass Katzenfutter kaufen auch nichts mehr gebracht hätte. Also habe ich sie bestimmt eine halbe Stunde lang gestreichelt. Sie versuchte, sich hinzulegen, ich half ihr, sich zusammenzurollen, wie es Katzen gerne tun, wenn sie gestreichelt werden. Sie lag da und genoss sichtlich. Wer weiß, wie lange sie sowas nicht mehr gespürt hat. Schnurren konnte sie kaum noch in dem Zustand, das war mir aber auch egal. Ich hab einfach auf dem Boden gesessen und sie unter hunderten von Tränen gestreichelt.

Ich habe mich entschlossen, zu fragen, ob es jemanden gibt, der helfen kann. Bei uns gibt es Tierheime. Oder Tierärzte helfen vielleicht auch noch. Ich bin mit Tränen in den Augen losgezogen und habe so viele Leute angesprochen. Niemand konnte Englisch und angeblich gibt es auch keinen, der das kann von den Kollegen. Ich hatte ja gehofft, dass immerhin jemand etwas sagen kann, der Touristen in Rikshas durch die Gegend rollt oder Bootstouren organisiert. Niemand.

Dann bin ich zur Koban, der örtlichen "Polizei". Die sind auf eigentlich jede 1-3 Kilometer zu finden. Da konnte auch keiner Englisch, also habe ich es auf Japanisch probiert. Japanisch ! Ich habe gesagt, was ich konnte, nachgeschlagen, was fehlte, Laute einer Katze von mir gegeben und dann Wörter in Kanji und Hiragana aus dem Wörterbuch GEZEIGT, und am Ende haben sie genickt und dann den Kopf geschüttelt, und ihre eigenen Zeichen nicht erkannt, wahrscheinlich weil sie dachten, die Gaijin hätte was englisches gesagt (es wird offenbar gerne überhört, dass ein Ausländer tatsächlich japanisch genutzt und auch richtig ausgesprochen und betont hat, denn ein Ausländer kann einfach kein Japanisch können). Am Ende fragten Sie "You are lost? Where you want?". Ich bin heulend kopfschüttelnd raus und hab die Welt verflucht. Am Ende habe ich einen gefunden, der ein wenig verstand, nur nicht sprechen konnte. Es gibt wohl keine Organisation. Niemanden, der helfen kann oder will.

Alle, die es zuvor auch einigermaßen zu verstehen schienen, auch wenn sie sich unsicher waren, ob ich wirklich eine Katze am Sumida-River meine, die krank ist und Hilfe braucht (warum sollte sich jemand um ein krankes Tier kümmern, vor allem ein Ausländer, der ja noch weniger mit der Sache zu tun hat als sie selbst?), lachten nur und schüttelten den Kopf und entschuldigten sich, dass sie wohl doch nicht ganz verstanden hätten.

Ich habe mit schwerem Herzen registriert, dass ich wirklich nichts machen kann und sie ja auch nicht ins Hotel mitnehmen kann. Niemand wusste, wo es einen Tierarzt gibt. Ich glaube eh, dass sie nicht mehr zu retten gewesen ist. Also bin ich wieder heim und habe noch einmal über die Brüstung nach unten gesehen. Sie kauerte nun wieder da, so wie am Anfang. Ich hab kaum noch stehen können und mir überlegt, ob ich sie in den Sumida werfen soll. Spätestens dann hätten sich die Leute gekümmert. Aufgeregt über den verschmutzten Fluss. Und dass ein Gaijin eine Katze tötet. Die vorher niemanden gekümmert hat.

Sowas könnte ich niemals tun, das ist klar, aber es wäre schneller für das arme Ding vorbei. Glaubt mir, man merkt, wenn ein Tier einfach gar nicht mehr kann. Ich bin ins Hotel gegangen und wollte immer wieder zurück. Ich habe es gelassen. Dafür habe ich im Japanforum nachgefragt (es war gerade jemand (in Japan lebend) online. Er meinte "deine Tierliebe in allen Ehren, aber du wirst niemanden finden, der etwas macht. Es betrifft sie nicht, also warum sollten sie sich dafür interessieren? Es tut mir sehr leid für dich und die Miez, aber du musst sie vergessen. Es gibt keine Chance, auch wenn du es dir noch so sehr wünschst." Damit bestätigte er genau das, was ich mir am Ende eingestehen musste. Ich hatte einen Tag zuvor am Tempel Katzenstofftiere gekauft. Eine hat mich gestern sehr an die süße erinnert, und ich habe sie hier aufgestellt und immer wieder angesehen und gebetet, dass es bald vorbei ist, schmerzlos, schnell. Denn Heilung - unmöglich.

Um ca. 20:08 Uhr ist die Katze hier umgefallen. Einfach so. Ich denke, die kleine hat es (hoffentlich) hinter sich. Ich weine gerade beim Schreiben schon wieder. Ich hätte sie am liebsten mitgenommen und gepflegt, mit nach Deutschland. Aber so lange wäre das ja nichtmal gutgegangen, geschweigedenn ein Tier aus dem Land bringen...

Was bitte machen die Japaner den ganzen Tag? Immer erzählen sie davon, dass sie von morgens bis abends lernen, gerade Frauen sich auch daheim weiterbilden, insbesondere, wenn sie Mütter geworden sind. Lern-CDs und all sowas überall. Aber sie können einfach nichts ! Die Sprachen, die man in der Schule bekommt, sind entweder Englisch, Deutsch, Chinesisch oder Französisch. Sehr wenige Spanisch. Warum ist denn dann daa nichts von zu merken?

Und an Herzenswärme fehlt es auch. Dass das aus Tradition und Erziehung führt, ist mir klar und war mir klar, aber dass es nichtmal zu einem Tierheim oder Mitgefühl für andere Menschen und Lebewesen reicht, ist mir unbegreiflich. Ich bin der Meinung, dass von 10 Leuten in Deutschland 2-3 geholfen hätten, egal wie. Jemanden holen, der mit einem sprechen kann, die Katze zum Arzt oder Tierheim gebracht oder Tipps gegeben. Irgendwas.

Ich bin danach im Hotel geblieben und habe mich im Zimmer eingeschlossen. Ich wollte einfach nichts mehr machen oder sehen oder hören.

Nur Flo. Danke mein Schatz!
Rena


4 Kommentare 31.3.09 16:01, kommentieren

Meiji-Schrein und Harajuku: Zwei Hochzeiten und ein Sündenfall (mindestens)

Am Sonntag ging es für mich erneut in den Yoyogi-Park (der Park also, in dem wir am Vortag Hanami feierten.

Der Meiji-Schrein ist einer der bedeutendsten Schreine in Japan, und zumindest in Tokio der überhaupt bedeutendste ever. Er liegt im Herzen des Yoyogi-Parks und sehr groß (als Gesamtanlage gesehen). Man schreitet durch mehrere hölzerne Torii (Tore aus japanischer Zypresse) und kommt nach einiger Wanderung über Brücke, Stein und Wald in den Schrein selbst.

Hier werden gerne Hochzeiten abgehalten (zwei habe ich mitbekommen: Zum einen ein Franzose, welcher eine Japanerin geheiratet hat - das Paar war bereits am Ende der Zeremonie angelangt. Eine Prozession schritt in Richtung des Paares und dann wurden Fotos gemacht und dann wars auch schon gut. wie gesagt, Endphase.

Die andere Braut wurde gerade geschmückt und bekam eine sehr aufwendige, wunderschöne Frisur und Haarschmuck wurde angelegt. Seltsamerweise kommt darauf eine sehr große Haube. Nicht unbedingt kleidsam (weil für europäische Augen sicher sehr ungewohnt), aber doch mit einer gewissen Eleganz. Der dazugehörige Bräutigam war total glücklich und hat andauernd und überall gelacht und gelächelt. Seltsam dennoch, dass es niemandem etwas ausmacht, im Gegenteil es normal zu sein scheint, dass die Touristen und Besucher der Anlage danebenstehen und fotografieren. Naja, wahrscheinlich sollen nur die Brautleute und die Familie selbst (die bis auf die Braut allesamt nonstop umherlaufen) nur nicht gestört werden, ebensowenig der engagierte Fotograf, und dann passt das schon.

Dann habe ich mir erst einmal einen Glücksbringer am Schrein gekauft, der Böses fernhalten soll und mir Glück herbeiwinkt. Jetzt kann ich immer schön klingeln, denn an dem kleinen Anhänger (den ich an den Rucksack gebunden habe) ist ein kupfergoldenes Glöckchen dran. Ich liebe Glöckchen ^_°

Natürlich habe ich mich vor dem Tempelgang gereinigt, indem ich meine Hände mit Wasser aus einem Becken gewaschen habe. Hier musste man lesiglich die Hände hineintauchen. Kellen gab es nicht, auch keinen Räucherbottich O_O

Danach ging es nach Harajuku, dem Cosplay-Mekka. Cosplay = Costume-Play, Jugendliche verkleiden sich wie Anime-Charaktere oder schaffen neue durch individuelle Kostümgestaltung. Auch wird hier die aktuelle schrille Mode gezeigt und gesehen. Erst war ich in den Seitenstraßen shoppen (oder bummeln) und habe dabei mindestens zwei Läden entdeckt, die Hundekleidung verkaufen. Bodys mit Flitterröckchen und "tollen" Prints darauf. Oder Tierkostüme für den Hund, z.B. eine Biene (mit Fühlern) für einen Mops (das war jedenfalls optisch für mich die Kleidergröße).

Außerdem habe ich da das erste Mal an dem Tag etwas gegessen - irgendwie kam ich vorher nicht dazu - und zwar Crepes mit Salat, Thunfisch und Curry (also nicht Currysauce, sondern japanischem Currygericht, das mit dem Pulver nur wenig zu tun hat, je nach Sorte). Ich muss sagen, dass das sehr lecker war. Eine gute Kombination. Natürlich gab es auch Süßes, und zwar ohne Ende, aber gegen Mittag muss es schon was Richtiges geben. Diese Crepes-Stände sind in diesem Stadtteil an jeder Ecke zu finden, und vor allem meistens innerhalb 10 Meter zwei nebeneinander / gegenüber, und die Japaner stehen da sowas von Schlange - also musste ich das auch testen. Also, sehr lecker, aber recht wenig und sicherlich nicht kalorienarm. So watch out, but try!

Dann wieder zurück zum Bahnhof, wo sich auf einer Brücke die Cosplayer versammeln. Einige Fotos werde ich dazu hochladen, erzählen brauche ich da ja nicht mehr viel. Die Cosplayer versammeln sich stets Sonntags auf der Brücke, so gegen Mittag geht es los. Viele tragen die Sachen versteckt unter ihrem Mantel, bis sie da sind, die meisten ziehen sich aber wahrscheinlich irgendwo vor Ort um. Bahnhofstoilette wahrscheinlich. Es ist stets ein Medienspektakel, das bei den Touristen als auch den regionalen Fotografen und auch vor allem bei den vielen (auch heimlichen) Liebhabern der Szene (auch als Fetisch) bekannt ist. Denn was man gerne mal dort sieht sind kurze Röckchen, Mädels in Lolita-Spitzenkleidchen, High Heels, Lack und Leder. Das bestimmt nicht alles, aber es ist mehr als ausreichend teil diverser Kostüme. Und das bei sengender Hitze - na Glückwunsch im Sommer.

Elvis wollte ich natürlich auch nicht gestorben sein lassen, so bin ich nochmals durch einen anderen Eingang in den Yoyogi-Park und bin auf das ein oder andere Elvisimitat gestoßen. Okay, Imitat ist falsch.. Anhänger, Fans, ja. Dazu auch ein rosa Cadillac und eine übersichtliche Anzahl Japanerinnen in Pettycoats. Die Jungs drehten die Musik auf, tanzten wie von Sinnen, machten Sprünge und Spagat, wie es Elvis selbst sicher nie geschafft oder auch nur versucht hat, und dann kam die Polizei, weil es zu laut wurde. Ja, hörbar auf offenbar mehr als 10 Meter - sowas muss ja sicherlich ein Verstoß gegen die öffentliche Ordnung sein ^_^

Da noch Zeit war, die Füße aber bereits schmerzten, habe ich mich in die U-Bahn (Tokyo Metro) gesetzt und bin erst einmal durch die Stadt gefahren nach Asakusa an den Sumida-River. Dort bin ich durch die kleinen Verkaufsgässchen gestromert und habe dann das "Kaminari-mon", das Tor des Donnergottes, und den dazugehörigen Sensou-ji-Tempels mit 5-Stöckiger Pagode besichtigt. Sehr beeindruckend, weil riesig und herrlich anzusehen. Hier war ich ja bereits bei Nacht, aber auch tagsüber ohne Anleuchtung ein Traum.

Ich habe dann eine Spende von 100 Yen in einen Schlitz geworfen und meine Vorhersage für dieses Jahr erschüttelt. In einem Metallbehälter sind 100 Stäbchen, auf japanisch von 1 - 100 nummeriert. Man schüttelt, dann dreht man die Metallbox, an der ein kleines Loch ist, und schüttelt so lange, bis passgenau ein Stäbchen herauskommt. Als ich die Zahl darauf gesehen und erkannt habe, habe ich mir gleich gedacht, dass das nichts gutes bringt. Hyaku, 100. Eine so hohe und gerade Zahl kann kein Glück bringen. Dann bin ich an die Schublade gegangen (Schubladen genau wie die Stäbchen von 1 - 100 vorhanden), habe einen Zettel aus dem gut gefüllten Fach genommen (den ich behalten dürfte) und gelesen, was mir die Zukunft für dieses Jahr bringt (ich wusste, dass in diesem Tempel mehrsprachige, also auch englische Weissagungen vorhanden sind).

Wie gefühlt: Negativ. Ich soll nicht reisen. Mit der Arbeit wird es nicht gut laufen. Es wird sich, sollte ich nichts festes haben (habe ich aber), keine Beziehung ergeben, usw. Eine Kopie werde ich ebenfalls zu den Fotos hinzufügen. Ich habe den Zettel dann schnell aufgeknüpft, damit sich dieses nicht erfüllt. Hoffen wir das Beste.

Bin dann den Sumida-kawa entlang gegangen und habe dem Hanami-Treiben zugeschaut, Nikuman (Dampfnudel mit Hackfleisch-Gemüse-Füllung) und Takoyaki (Tintenfischstücke in Teig in Form einer Kugel) gegessen und mich an den Trommlern und der guten Stimmung erfreut, zwei Geishas, die an einem Teestand bedienten, vor die Linse bekommen und den Sonnenuntergang genossen.

Danach ging es mit Umweg über eine echt japanische Toilette (wollte ich mal für euch fotografieren - ist ein Hockbecken im Boden) auf nächtlichen Erkundungsgang um meinen "Heimatbahnhof", da ich gehört habe, dass es dort ein Einkaufszentrum geben soll. Das gibt es, und es hat auch am Sonntag auf. Erstaunlicherweise habe ich gesehen, dass es hier ebenfalls Taiyaki gibt, die Dinger, die ich die Tage zuvor vergeblich gesucht hatte und mir dann habe zeigen lassen. Also die nächste Runde, sollte es die geben, geht über das Center.

Schließlich kam ich wieder im Hotel an, ging ins Bad (o-fura, großes Becken ab 40 °C - es waren denke ich um die 45 °C) und lernte dort eine Columbianerin kennen (geschätzte 5-7 Jahre älter), die gerade ausstudiert hat (Australien) und nun vor dem Arbeitsbeginn noch einmal richtig reisen und die asiatische Welt sehen will. Wir haben uns dann zu einem Drink in der "Hotelbar" verabredet und dort einige andere Leute aus diversen Ländern kennengelernt. Habe zwei Katana (Sake mit Grapefruit-Saft und White Curacao) getrunken, dank eines Willkommen-Gutscheins (den ich beim Einchecken nicht erhielt, mir aber anerkannt wurde) für insgesamt 600 statt 800 Yen. Um 2:35 bin ich dann ungefähr wieder ins Zimmer und nach kurzem Skypen mit Flo ins Bett gefallen.

Ach ja, habe ein Bunny ergattern können. Eigentlich wollte ich von Shimpei, dem Barkeeper (ist halt einfach ein Zimmer mit ner kleinen Küche dahinter, und man kann da ab gewissen Uhrzeiten nett sitzen) nur wissen, wo es die Bunnys gibt. Hat er mir gleich eines geschenkt. Aus einem Greifer-Spiel, das könne ich nicht kaufen.

Schöner abend, kurze Nacht.
Bye bye
Rena


 

2 Kommentare 30.3.09 14:53, kommentieren

Kara-oke? Nicht OK. Aber spaßig.

Am Samstag haben sich einige Japanforumler in Harajuku zusammengefunden und eine lustige Deutsch-Japanische Runde gebildet (durch die Anhängsel der Deutsch-Forianer). Zugehört habe ich in Japanisch, Englisch und Deutsch, schöner Mix, geantwortet eher auf Deutsch und Englisch, denn für individuelle Unterhaltungen reicht es mal wirklich gar nicht.

Haben uns also zusammen in den Yoyogi-Park begeben und uns mitten in den Park auf eine blaue mitgebrachte japantypische Plane gesetzt. Drumherum Musik und Sonne, ein paar verkleidete und auch schon einige betrunkene (und auch deshalb eingeschlafene) Japaner. Jeder hat sein mitgebrachtes Essen verzehrt und die Süßigkeiten und Knabbereien wurden brüderlich geteilt. Nach ein paar Stunden, es wurde auch langsam dunkel und (in Tokyo um die Jahreszeit jeden Abend bisher) plötzlich schneidend kalt und auch windig, sind wir losgezogen zum spontanen Karaoke. Die Gruppe hatte sich zu dem Zeitpunkt an Teilnehmern schon deutlich reduziert. ^_^ So ab dem Wort "Karaoke" nämlich.

Karaoke. Ich liebe Karaoke. Ich liebe es auch, in Hundehaufen zu treten. Durch diese Aussage könnt ihr abschätzen, wie mein "Ich liebe.." gemeint ist, denke ich. Vor allem war es teuer. Aber man macht das ja nur einmal, denke ich, und damit war es okay. Gezahlt haben wir für 2 Stunden und 2 Getränke pro Person 2.500 Yen, das sind 20 Euro. Okay, geht noch, aber mir wurde bestätigt, dass es sich um einen recht teuren Laden handelt.

Karaoke darf man sich nun nicht, wie wir es kennen, vorstellen: Bar, viele Leute am Tresen, alle hören deinem peinlichen Gejaule zu, lachen und applaudieren. Nein. Karaoke ist eine Box, die man sich für die Gruppe mietet. Diese ist nicht wirklich groß, aber es passen gute 8-10 Personen hinein. Irgendwie jedenfalls. Getränke ordert man (am besten durch die japanische Freundin eines Deutschen ^_° über ein Telefon, der Kellner kommt rein, kniet sich nieder, stellt die Getränke auf den Tisch, steht auf, verbeugt sich, und verlässt schnell die Kabine.

Die Songs sucht man sich erst in einem Buch mit den Ausmaßen des Berliner Telefonbuchs heraus, dann tippt man auf einem so ziemlich nur Japanisch anzeigenden portablen Tippdisplay herum, bis man es hat. Oder Mann. Ich habs nicht geschafft. Dann beginnt eine Musik, die nicht immer (gerade bei Rockmusik) nach dem klingt, was es sein soll. Klar, Melodie gut zu erkennen, aber gerade Rockmusik wurde wohl gerne mit anderen Musikinstrumenten aufgenommen als vom Komponisten ursprünglich mal gedacht.

Nach zwei sehr lustigen lauten schrägen Stunden haben wir uns dann verabschiedet. Ich wurde noch von einem Pärchen in ein Kaufhaus gebracht, in dem unten etwas Essbares zu finden war, das ich schon zwei Tage lang vergebens in Tokyo gesucht habe, war sehr dankbar und bin dann glücklich futternd "nach Hause" gefahren.


1 Kommentar 30.3.09 07:42, kommentieren

Ohje, der Eifelturm !?

Hallo, ich mal wieder. Habe ja noch einiges nachzuholen.

Am Freitag ging es zum einigermaßen bekannten "Tokyo Tawa", also dem Tokyo Tower. Nicht, dass Tawa nun Turm heißen würde, aber es ist die japanische Schreibweise aus den Silben Ta-Wa und kommt der Aussprache von Tauer am nächsten. Schwieriger wird das bei anderen Worten. Wie erkennt man den Sinn dann noch? "Ma-ru-ke-to" wäre ein Markt, aber sie kürzen es eh nach amerikanischer Schreibweise "Ma-ru-to" (Mart) ab. "Ba-u-mu-ku-hu-re-n" ist hier übrigens sehr beliebt. ^_^

Wie auch immer: Ich war am Tokyo Tower. Der ist mit seinen 333 m sogar größer als das Original in Paris und damit die größte Nachbildung der Welt. Er ist rot-weiß angepinselt, da er ja doch ein Flugsicherheitsrisiko in sich birgt mit dieser Höhe, und dadurch auch umso bekannter durch diverse Anime-Filme und -Serien, in denen der Tower regelmäßig auftaucht. Drauf war ich nicht. Weniger die 820 Yen für das Main Observatory (150 m) und die nochmals 600 m für die höhere Plattform (250 m) haben mich abgeschreckt, als vielmehr die Warteschlange mit Ankündigung 2 Stunden Wartezeit. Die Aussicht vom Vortag toppt der Tower eh nicht.

Also war ich ein bisschen im angrenzenden Shiba-Park unterwegs, habe einen Cache gefunden und meinen Travelbug in die Dose getan. Bitte bitte, bringt sie durch Japan, Leute, oder zuindest durch Tokyo Das Suchen hat sich aber als schwer erwiesen, denn andauernd waren Gruppen von Kindern unterwegs, ebenfalls am Suchen. Offenbar gibt es zum Kirschblütenfest "Hanami" die Sitte, dass die Kindergartenkinder (oder ist das Grundschule erste Klasse??) durch verkleidete Erwachsenene versteckte Kisten suchen, in denen irgendwas Buntes oder Essbares drin ist. Süß wars.

Danach ging es weiter zum berühmten Zojo-Ji-Tempel. Eine recht große Tempelanlage in der Stadt, die am Freitag mittag gegen 14 Uhr wirklich sehr viele Menschen aufgesucht haben. Der Besuch der Tempel scheint bei Jung und Alt noch Brauch zu sein, und ich finde das eigentlich eine sehr schöne Sache. Erst wäscht man sich an einem Becken (Brunnen, Becken, wie auch immer) vor dem Gebäude die Hände, man reinigt sich also. Dann tritt man an einen Holzkasten mit Gitter, wirft schwungvoll eine Münze hinein (ich denke, der Betrag ist ab 100 Yen gewählt), dann klatscht man zweimal in die Hände, um die Götter auf sich aufmerksam zu machen, "spricht" in Gedanken seinen Wunsch oder Anliegen aus und befächert sich dann mit Weihrauch / Rauch, welcher aus dem Kasten kommt. Danach geht man eventuell auch noch hinein in den Tempel, denn diese Boxen sind meist neben dem Eingang mit blick aufs Innere.

Hinter dem Tempel ist ein kleiner Friedhof. Die Gräber sind sehr interessant gestaltet. Beeindruckend beinahe. Vor dem Friedhof sind sehr viele kleine Kinderfiguren aus Stein aufgestellt. Diese haben alle ein Windrad in der Hand und sie haben selbstgehäkelte oder gestrickte rote Kappen auf, manche auch noch zusätzlich einen "Latz" um Schulter und Hals. Ich meine verstanden zu haben, dass es sich bei den Kinderfiguren symbolisch um die verstorbenen Kinder der Mütter handelt, die die roten Kappen hergestellt haben. Wenn eine Mutter ein Kind verliert, trägt sie ihre Trauer zum Tempel und zu den Göttern und gedenkt so den Toten.

Was Tempel und Schreine angeht, ist es sowieso sehr erstaunlich. Man geht durch die Straße, und plötzlich taucht wieder so ein kleiner Altar oder Schrein auf. Es ist ein einfaches kleines Häuschen oder jedenfalls in der Form eines kleinen Tempels, aber es gibt keinen Eingang. Nur stufen zu einer Gloke (und wenn es eine gibt), die man nutzen kann, um die Götter zu rufen, böse Geister zu verjagen und Rat zu suchen oder Wünsche zu äußern. Oder um einfach zu danken. Mitten an der Hauptverkehrsstraße.

Abends war ich noch kurz am Sumida Kawa (Kawa = Fluss), da es aber schon dunkel wurde, bin ich bald gegangen. Ich erzähle beim nächsten Mal (wenn es um Tag 5 geht, nicht Tag 4, der kommt auch noch ^_^).

Liebe Grüße in die Heimat
Rena


3 Kommentare 29.3.09 15:25, kommentieren

Blick über Tokio - es ist laut

Ohayo gozaimasu ! (Guten Morgen)

Ortszeit 7:54 Uhr. Sie Sonne scheint heute schon viel früher über uns. Gestern früh war es im Taitou-ku noch grau um die Zeit. Das Fotohochladen gestern hat ewig gedauert, weil die Seite gesponnen hat. Nun aber sind bereits die von gestern mit dabei.

Nach einer viel zu kurzen Nacht in meiner Yukata (sehr bequem, so eine sollte ich mir auch holen) habe ich mich stadtfertig gemacht und danach mein Zimmer aufgeräumt. So läuft das leider in meiner kleinen bescheidenen Hütte - etwas anfassen, herumräumen, und dann wieder zusammenpacken. So viel Bewegungsfreiraum hat man nicht.

Nach einem "ausgiebigen" Bifi-Roll-Frühstück (noch aus Deutschland - ich war zu müde und faul, um zum Bäcker zu gehen - und zu hungrig) mache ich mich auf den Weg in die Stadt. Tatsächlich dauert es nur etwa 7 Minuten bis zur Metro Hibiya Line. Was hier sehr praktisch ist: Auf jedem Gleis fährt nur eine Linie (man kann einfach nicht den falschen Zug nehmen, wenn man der Beschilderung zum Gleis folgt), nur eine Richtung (man kommt aufs Gleis und steigt halt links oder rechts ein, je nachdem), alle 2-3 Minuten kommt eine neue Bahn und seit ich hier bin, war sie nie zu spät. Auch innerhalb der ersten 20 Sekunden der angekündigten Minute. Erstaunlich.

Manche Gleise sind durch eine extra Schranke gesichert, die sich dann automatisch öffnet, wenn der Zug eingefahren ist und bevor sich die Waggontüren öffnen. Diese sind etwa 1,30 m hoch und idiotensicher. Wenn man das erste Mal davorsteht, denkt man jedoch, man wäre auf einem gesperrten Gleis - nur anhand der Wartenden versteht ein Gaijin (Kurzform für "Ausländer" ), dass da doch was kommt. Gelbe Haltelinien mit Riffelung (also auch spürbar und somit kaum zu ignorieren) gibt es überall und man hält sich auch tatsächlich strikt daran. Oftmals sind in den Türbereichen auch noch weiße Linien links und rechts eingezeichnet, sodass der Japaner weiß, wo er sich anzustellen hat, damit es beim Einsteigen schnell geht. Die Züge halten bis auf wenige Zentimeter (und damit meine ich 2-5 cm) stets genau zum markierten Türbereich.

Für bestimmte Stoßzeiten morgens gibt es Frauenwaggons. Diese sind sowohl auf dem Boden als auch an den Türen für alle Männer gut sichtbar mit Blüten verzierten pinken (rosa und pink sind nunmal weibliche Farben) Schildern gekennzeichnet. Zudem steht an den (wenn vorhanden) Schranken "Please keep out" mit einem sichtbar durchgestrichenen Mann.

Sowieso sind Absperrungen ein Thema. Entweder stellt man eine zigtrillionen Hütchen auf (rot, orange, grün, gelb) oder aber man stellt entsprechende Polizisten und Sicherheitsleute auf. Sicherheit - das Thema an sich. Es gibt ganz ausgefallene Berufe, die erklären, weshalb die Arbeitslosenrate recht gering und der Service in Japan so gut ist.

Da gibt es den "Fahrrad hier abstellen verboten-Aufpasser". Der trägt eine grüne oder blaue Weste / Jacke und steht in den mit verboten markierten Bereichen, in denen man das Rad nicht abstellen darf. Und in jedem abgeschlossenen markierten Bereich steht einer! Es ist nicht möglich, dass der Beauftragte mehrere Bereiche zentral überwacht, nein, wann immer ein 5-10 Meter langer Abschnitt wegen Fußgängerlaufbereichen abgeschlossen ist, wird in den neuen Abschnitt eine weitere Kraft eingesetzt.

Dann gibt es den "Zebrastreifen-und-Menschheit-Bewacher", der immer dann mit seinem orange-leuchtenden Warnstab auf die Straße hechtet, wenn jemand auf einen Zebrastreifen zusteuert und die Bordsteinkante berührt. Klar, derjenige könnte selbst schauen, ob was kommt, aber an einigen Straßen sind eben diese Uniformierten zu finden. Vor Kaufhauseinfahrten (Gefahr durch mit 10 km/h heraneilende LKWs), in der Nähe von Regierungsgebäuden ohne Ampeln.. Und im Anschluss immer ein "Domo" (Bitte), auf das keinerlei Reaktion erwartet wird, es aber zum Dienst am Bürger und Mitmenschen dazugehört.

Dann haben wir da die "Fahrstuhl-Beauftrage", die vor dem Fahrstuhl zu Aussichtsplattformen steht (hinter einer Gurt-Durchleitung wie an Kinokassen, Fahrattraktionen oder bei Subway und einer Taschenkontrollstation), wartet, bis der Fahrstuhl da ist, dieses ankündigt, wenn die Tür geöffnet hat, die Leute hereinwinkt, dabei zählt, und wenn niemand mehr hineingestopft werden kann (das merkt man doch als gesunder Deutscher auch selbst), "halt" sagt und anzeigt und dann wieder still steht, bis der zweite Fahrstuhl eintrifft.

Dann gibt es noch die "Restaurant-Schreier", "Taschentuchwerbung-Verteiler", "Rotlicht-Lock-Lächler".. Und Krankenwagen haben Sirenen, Blaulicht UND eine Bandansage, die wohl sagen will, dass es sich um einen Notfall handelt, man bitte Platz machen möchte und sich wahrscheinlich auch noch entschuldigt und bedankt.

Bei einem ausgiebigen Spaziergang durch die Einkaufsmeilen und Häuserzeilen tauchen immer wieder recht plötzlich kleine Oasen ser Stille auf: Schreine, in denen jeweils ein Gott verehrt wird. In Japan gibt es ja Götter für alles und jeden. Einen Gott für Wasser, einen für Steine, einen für Gesundheit (naja, wahrscheinlich einen für jede Überart von Krankheiten wie Rheuma, Asthma..), für eine gute Geburt oder Schwangerschaft, für gute Noten, für gute Fahrt im neuen Auto..

Diese darf man alle betreten. Schrein bedeutet in diesem Fall das Gelände. Gebäude selbst sind oftmals zum Zutritt gesperrt. Da fotografieren meistens erlaubt sind, nutze ich die Gelegenheit natürlich. Der erste zufällig entdeckte Schrein steht sogar auf meiner To-Do-Liste: Der Hanazono-Jinja (Jinja sagt man zu shintoistischen Anlagen = Schreinen). Es handelt sich um einen der Inari-Schreine. Hier bittet man um Erfolg im Beruf.
Inari ist die Göttin der Fruchtbarkeit, des Reis (damit auch Geld und Erfolg) und der Füchse (Inari). Solche Schreine werden meist von "Fuchswächter"-Statuen beschützt.

Einige Meter weiter befindet sich das Rotlichtviertel Kabuki-Chou mit nett lächelnden aber sonst sehr zurückhaltenden Herren, die den Bürger (meist Männer) zu den "Bediensteten" (meist Frauen) führen sollen. Ausschlaggebende Poster sind manchmal an den Eingängen zu finden. Eine beeindruckende Burg kündigt das Viertel an. Direkt daneben ist ein kleiner Schrein (vermute ich), der aber nicht in der Karte eingezeichnet ist. Könnte auch ein altes schmickvolles Wohnhäuschen mit religiösen Stileinflüssen sein.

Wenn man seinen Hunger nach Essbarem stillen möchte, hat man dazu alle 20 Meter die Möglichkeit. Kleine Restaurant für vielleicht 20 Gäste (selten mehr, oft weniger) reihen sich in der Stadt beinahe nebeneinander. Oft kann man das Gericht bereits draußen bewundern, schön hergerichtet aus Kunststoff. Größe und Menge entspricht meistens tatsächlich ziemlich genau der Abbildung. Man kommt, was man gesehen hat. Weitere Läden bieten sogar die Möglichkeit, draußen an einem Automaten zu zahlen (spart eine Kassiererin) und mit dem Bon dann ins Restaurant zu gehen und eine frisch zubereitete schnelle Mahlzeit zu erhalten.

Die Preisspann für ein Mittagessen ist übrigens seht unterschiedlich. Von 290 Yen bis 3.300 Yen ist alles dabei (2,50 - 27,00 Euro). Aber bereits bei kleinpreisigen Gerichten muss man schauen, ob man es schafft. Ich habe ein Reisgericht genommen, ein Donburi (Reis mit Topping wie Soße u/o Fleisch u/o Gemüse u/o Ei..), für 500 Yen. Grüner Tee ist immer gratis dabei, steht am Tisch und nimmt man sich einfach. Also fällt ein Getränk sowieso flach. Meistens gibt es gar keine Getränke zu kaufen. Dafür bekomme ich plötzlich eine große Schale mit Nudelsuppe und meine Reisschale mit Topping auf den Tisch gestellt und bin verwirrt. Die Suppe reicht ja schon zum Sattwerden. Also Suppe und Reis inklusive Getränk für knapp 4,50 €. Das nenne ich mal ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Trinkgelder gibt man übrigens nicht.

Vo einem Laden bleibe ich fasziniert stehen. "Baby Dolls" - ein Laden voller Glaskästen mit Babytieren drin (Hunde und Katzen). Einige spielen, manche schlafen gelangweilt, andere drehen am Rad und springen wie irre durch den Kasten. Die armen, am liebsten hätte ich sie alle "gerettet". Und niedlich.. aber die Preise sind zum Weglaufen. Ein kleiner Hund kostet zwischen 1.000 und 1.300 Euro, eine Katze bringt es hier auf stolze 1.800 Euro. Auch Futterkosten sollen recht hoch sein. Also ein Spaß ist das nicht. Kleine Hunde ala Paris Hilton sind momentan übrigens auch hier der letzte Schrei.

Schnell habe ich mich der Masse entzogen und bin zum Tokyo Metropolitan Government Building entflohen. Hier gibt es auf der 45. Etage (entspricht unserer 44.) eine Aussichtsplattform, von der aus man über einen guten Teil Tokios sehen kann. Beeindruckend - leider war der Fuji-Jama trotz sonnigen Wetters nicht zu sehen. Das ist wohl ein sehr seltener Anblick. Aber ich werde bestimmt nochmal die Plattform erklimmen. Naja, hochfahren. Hier kommen nämlich wieder die Aufzüge mit den "Fahrstuhl-Beauftragten" ins Spiel.

Unten am TMGB ist ein kleiner Park zu finden, in welchem ich die ersten richtigen Kirschblütenbäume zu sehen bekomme. Gleich ein paar Schnappschüsse gemacht. Der Park dient der Erholung, "mal abschalten", es ist erstaunlich ruhig. Aber es leben hier auch ein paar Obdachlose unter blauen Zeltplanen. Direkt vor dem Regierungsgebäude - dass da niemand was macht, solange es noch möglich ist.. stattdessen wird das Problem direkt vor der Nase ignoriert. Neben dem Park ein weiterer Schrein, der Kumano-Jinja.

Ein letzter Gang durch die Einkaufsmeilen von Shinjuku nach einem guten 8-Stündigen Gewaltmarsch bringt mich an meine Grenzen. Meine Hüfte schmerzt so sehr, dass ich Angst habe, es knirscht gleich, und meine Füße pulsieren. Schnell in die Bahn - wünsche ich mir, wird aber nichts draus. Die Metro zu finden ist immer ein Akt - bin eine gute Stunde dafür gelaufen, am Ende wars beinahe dort, wo ich zu Beginn der Suche stand. O_o
Jetzt habe ich einen Stadtplan. ^_^

Erschöpft falle ich ins Bett nach einem Telefonat mit meinem Flo.

Grüße an alle Daheimgebliebenen!

3 Kommentare 27.3.09 01:14, kommentieren

Abflug und Ankunft - ich brauche Schlaf !

Konban-wa mina-san (Hallo an alle).

Ich bin mittlerweile gute 31 Stunden ohne Schlaf. Und das macht sich so langsam bemerkbar, deshalb verlasse ich mich beinahe nur auf die Infos auf meiner Air-France-Serviette.

24.03.09

Abflug in Hannover Langenhagen (HAJ) um 10:25 Uhr nach einer leicht gemachten aber schwer gefallenen Verabschiedung. Es bringt ja nichts, der Flieger startet ja doch. In der Wartehalle  schalte ich das Handy noch ein letztes Mal ein, beantworte zwei SMS von lieben Freundinnen und schreibe auch Flo noch einmal. Da aber bereits eine unruhige Stimme zum Boarding aufruft, muss ich mich kurz halten.

Die Maschine nach Paris, Charles de Gaulle (CDG) fasst gerademal 50 Fluggäste. Ich habe in einer Einer-Reihe (linke Flugzeughälfte) einen Fensterplatz abseits der Tragflächen. Online-Check-In macht sich bezahlt. Der Start ist top. Ein tolles Gefühl, in die Wolken einzutauchen und dann wie über einer Eiswüste zu schweben. Es gibt viel französisches Gerede durch die surrenden Lautsprecher, ein Board-Magazin in französisch und englisch und einen Becher Orangensaft und dazu zwei Zitronenkekse. Die Sonne strahlt unerbittlich und ich versuche es auch - es gelingt soweit. Nur einmal kommt mir das eine oder andere Tränchen in die Augen. Das Abenteuer beginnt.

Sicher auf Charles de Gaulle gelandet, macht der Shuttle-Bus eine Weltreise mit uns, dabei ist es nur ein Terminalgebäude weiter. Aber die Sicherheit geht vor. Umsteigen zwischen einem Multikultigemisch aus diversen Regionen und Sprachen. So langsam beherrsche ich meine eigene nicht mehr.. Französisch, Englisch, Japanisch, Deutsch... die vier verstehe ich oder teilweise oder versuche es zumindest, je nachdem. Das muss aufhören. Meine Englischkenntnisse geraten dadurch in Verdrängung und ich bekomme nur wenig raus. Ach herrje. Beinahe am Check-In für CDG > NRT (Narita Tokio) mein Handgepäck nicht wiederbekommen. Hat er vergessen zu beaufsichtigen und durchzuschieben. Danke"Monsieur Controlleur".

Der Flug nach Tokio geht mit einer Boeing 777-300ER (ca. 379-460 Passagiere, je nach Ausführung, jeweils 10-Reihig (3 links, 4 mitte, 3 rechts). Wieder Fensterplatz, Tragfläche bedingt in Sicht und gleich als Fotoobjekt missbraucht. Der Start ist ruppig. Es muss sehr windig gewesen sein. Das Dröhnen der Turbinen beim Start ist grausam. Hoffentlich hört das auf, wenn wir in der Luft sind.

Es hört auf. Nicht aber das Geschrei zweier kleiner japanischer Zwillingsschwestern schräg hinter mir. Und das den ganzen Flug über. Meine Schlafzeit in Minuten: Null. Der Flug ging über 13 Stunden, davor noch frühes Aufstehen (oder schlimmer noch: zu frühes Aufwachen), erster Flug usw. Glückskeks, ich. Immerhin hatte ein anderer Glück: Jamal. Das ist ein indischer Junge aus dem Film "Slumdog Millionaire", zu dem Flo und ich letzte Woche die Vorschau im Kino gesehen haben. Kann ich allen nur empfehlen. Wirklich toll gemacht, geht teils unter die Haut, schildert das Leben der Straßenkinder und macht daraus eine gute Story (Junge liebt Mädchen, Mädchen soll beeindruckt werden, Junge bekommt eine Chance, das Leben beider zu ändern). Wie auch immer.

Das Essen ist okay und reichlich, die Kombinationen sehr.. interessant. Der Pfirsichkuchen mit Pistazie (wo?) ist ein Traum.


25.03.09

Nach einer schlaflosen verkürzten Nacht (Japan ist uns derzeit 8 Stunden voraus) und vielen Gesprächen mit einer Japanerin, die seit über 10 Jahren in Deutschland wohnt und Pianistin ist (und Unterricht gibt), erreichen wir Japan. Tokio haben wir von oben trotz seiner weiten Ausläufer nicht bewusst gesehen. NRT liegt ca. 60 Kilometer von Tokio entfernt. Das Absinken des Flugzeuges wird zur gefühlten Achterbahnfahrt - nur gefährlicher. Die Landung am Ende ist ruppig, aber schnell und sicher. Alles gut.

Meine neue Bekannte hilft mir beinahe mütterlich mit den Einreiseformalitäten und führt mich zu den Ticketschaltern für Touristentickets. Das ist auch nötig, wie sich am Schalter herausstellt. Niemand hatte es direkt drangeschreben. Keiner will es sein, aber jede Dame weiß, welcher Schalter die Tickets angeblich verauft. Der 5. Schalter (nicht in Reihe, sondern nach einem Hin- und Hergeschicke) war aber dann der Richtige. Mit den Tickets kann man günstig jeweils 2 Tage am Stück mit der Tokyo Metro (aber nur die, keine S-Bahnen etc.) fahren. Für 980 Yen, umgerechnet 7,70 € für zwei Tage mit freiem Wechsel der einzelnen Linien.

Schließlich trennen wir uns, und ich erhalte ihre Karte. Falls mal was ist. Ich soll mich melden. Ich sehe mich im Flughafen um, und als ich genug habe (und das Gepäck nervt gewaltig), kaufe ich mir mein Ticket für den Keisei Limited Express nach Tokio und fahre knapp 70 Minuten. Auf Bahnhof Nippori angekommen, verzweifle ich beinahe an den unmöglichen, für Europäer zurückgebliebenen Ausschilderungen. Nichts in lateinischen Buchstaben. Ich muss fragen, verstehe die freundliche Antwort des "englisch"-sprechenden Personals zwar theoretisch, aber praktisch nur schwer, ziehe dann einfach ein Ticket mit kleinstmöglichem Betrag und fahre los. Passt. Zwei Stationen.

Von dort aus im Regen zum Hotel. Gut, dass ich doch noch den Schirm eingepackt habe. Wollte mir erst hier einen kaufen. Ich zerre mein nun doch schwer in der Hand liegendes Gepäck die gerade Straße entlang (nachdem ich den Auf- und Abstieg einer Überführung ächzend gemeistert habe) und komme nach 17 statt 10 Minuten in meinem Hotel an. Tja, leider niemand dagewesen, der englisch spricht. Nur soviel wie bekannt: Check-In um 16 Uhr. Es war irgendwas nach 13 Uhr. Toll.

Laptop ausgepackt, einen Sven kennengelernt, dessen Name ich zufällig einige Stunden später gelesen habe, sonst wüsst ich das nicht mehr, und mich erstmal zum kurz in die Stadt fahren verabredet. Was essen. Ja, der Kerl war sehr seltsam, aber doch nett und hilfeich. Alle paar Jahre in Japan, diesmal, um am Marathon teilzunehmen, eine Godzilla-Statue zu finden, eine Insel zu besuchen, die die Drehinsel aus dem Film sein könnte, und um hier japanische Kinofilme zu sehen. Besonders deswegen. Klatsche ^_^ Egal. Morgen checkt er allerdings schon wieder aus. Ehrlich gesagt dachte ich an den typischen Deutschen: Klamotten = Tourist, Einstellung = meckern, alles schlecht.

Gegessen haben wir Katsudon, ein frittiertes Schnitzel in einzelnen langen Streifen auf Reis mit Ei und einer Reis"marinade" oder was auch immer, die göttlich schmeckte. Bin satt. Wunderbar. Danach haben wir uns getrennt (er wollte noch ins Hyatt Hotel in die Peak-Bar, bekannt als Drehort einer Szene aus dem Film "Lost in Translation".. okay). Ich wollte nicht mit, wollte ins Bett, und zudem kostet die Tischgebühr umgerechnet 17 Euro und ein Cocktail / Getränk geht ab 13 Euro los. Das wars mir dann doch noch nicht wert.

Also bin ich durch einen Teil von Shibuya, einem der 23 Bezirke Tokios, gelaufen, habe ein paar Nachtaufnahmen gemacht und bin dann nach viel Lauferei und Fragerei wieder in meinem Zug gelandet, der mich sicher ins Zimmer gebracht hat.

Bilder folgen in Tokyo Pics ^__^

Oyasuminasai (Gute Nacht)
SeRena

9 Kommentare 25.3.09 15:40, kommentieren