Herumstromern

Der Tag nach diesem hammergenialen Strand-Sommer-Gute-Laune-Tag war einfach nur ein zielloses Herumstromern.

Kabuki-za Theater von außen angesehen. Da Karten offenbar 30 min. vor den Vorstellungen verkauft werden, um jedem die Chance zu geben, und ich gar nicht wusste, was das überhaupt für Zeiten hat, habe ich keine Karte ergattert und leider auch keine Innenaufnahmen machen können - geht nämlich auch nur mit Eintrittskarte zur Vorstellung. Zudem geht eine Vorstellung über 3 Akte je ca. 2-3 Stunden. Das wäre schon ein ganzer Tag gewesen. Aber man kann die Akte auch einzeln ansehen, was die meisten Japaner machen, und so nach und nach das Stück sehen - das sie eh meistens bereits kennen, da seit Jahren dieselben Stücke wiederholt werden und es sowieso bekannte = traditionsreiche (theater)historische Stücke sind.

Habe nun einen dritten Mini hier gesehen. Rot war er. Ich sags ja nur. Und im Bezirk Ginza viele teure Läden, die ich größtenteils gemieden habe. Irgendwie weiß ich nicht, was diese Snobs an ihrem Etepetete finden. Aber fragt mich das auch mal, wenn ich die Kohle habe, die die Verkehrenden hier haben müssen.

Habe das Sony-Hauptausstellungsgebäude in Ginza besucht und mir auch hier, wie schon auf Odaiba, die neuesten und kommenden Geräte angesehen. Hier war noch einiges mehr zu sehen und auszuprobieren als zwei Tage zuvor. Habe mich sogar an zwei Playstation-Spielen versucht, und war bei dem einen gar nicht so schlecht (irgend ein Jump-n-Run), aber Sonic, den Igel, habe ich gnadenlos absaufen lassen. Einfach zu wenig Erfahrung und zu viele Knöpfe. Daraufhin habe ich meinen tollen Kuli da liegenlassen, wollte aber nicht mehr rein und die 6 Stockwerke erklimmen wegen dem Ding, bin dann also gefrustet abgezogen und war doch froh, dass ich immerhin meine Tagesnotizen / To-Do-Liste noch hatte. Die glaubte ich nämlich auch schon verloren, hatte sie aber wie gewohnt in den Rucksack gepackt. Sowieso packe ich täglich mehrmals alles unnötig von A nach B und zurück. Neue Angewohnheit durchs ständige heraussuchen von Stadtplanbuch, Metro-Plan, To-Do-Liste, Tagesticket, Wörterbuch...

Und hey, die binden hier Blumensträuße, die am Ende das Gesicht von Hello Kitty haben! Das ist ja mal voll knuffig. In dieser Hinsicht mag ich die japanische Verspieltheit wirklich gern. Kawaii-Items findet man an jeder Ecke.

Wusstet ihr übrigens, dass es in Japan nun auch endlich Eier gibt? Ja ! Nee, mal im Ernst: In der Stadt kam ich an einem Schild vor einem Restaurant vorbei, darauf zwei normale Hühnereier, eines zu und mit irgendeinem Logo, eines geköpft, aber auch roh. Zu 80 Yen das Stück, mit dem Hinweis: NEW ! Es gab vier Logo-Männchen auf dem Plakat, also Eier mit Gesicht: Eines soll darstellen, dass es stark macht. Eines zeigt, dass man es auch braten kann (oder in der Küche einsetzen), eines zeigt, dass es gesund und glücklich macht, und eines, dass es intelligent macht. Ja, ein Ei mit Diplomdeckel (so ein amerikanischer Kastenhut). Tz..

Ich bin schließlich in Shinjuku gelandet und ins Kaufhaus TOKYU in die untere Abteilung gegangen. Dort gibt es den Bereich FOOD SHOW, wo man an kleinen Tresen alles mögliche bekommt. Hängen geblieben bin ich (seit wann steh ich so auf Süßes?) an der "deutschen" Konditorei JUCHHEIM - Die Meister. Deutsch natürlich nur soweit, dass die Sahneteilchen eine deutsche Bezeichnung hatten, und die japanische Lautschrift natürlich obendrauf. Im Verzieren jedes kleines Kuchenstückes sind die Japaner kaum zu schlagen. Nur Meisterkonditoren mit Weltmeistertitel können es meiner Meinung mit den japanischen Handarbeitstorten aufnehmen. Kleine Meisterwerke in Präzision und mit unendlicher Liebe gestaltet. Kleine Verkaufstorten können so auch mal bei 12 cm Durchmesser 30 Euro kosten. Aber auch ein Stück Kuchen oder Torte ist bei geringer Größe mit 3,50 - 5 Euro anzusetzen, ein einfacher Muffin mit 3,50 Euro.

Alle Stücke einer Serie sehen übrigens bis auf minimale Spuren 8ist wie gesagt Handarbeit) exakt gleich aus, an jedem Verkaufstag eines wie das andere. Habe mich für ein vergleichsweise einfaches Stück "Dreieckensahne" entschieden. In sich gefächerter Teig mit Sahne, Erdbeermarmelade und Mandelblättchen außenrum. Darauf ein Schild: GUTEN APPETIT. Verpackt wurde das ganze mit einem kleinen Kühleispad in einer ausgepolsterten schönen Pappbox im Konditorendesign, dazu ein Löffel, das ganze in einer großen Papiertüte ebenfalls mit dem Firmenlogo. Ein Stück Kuchen. Aber so macht das Essen später doppelt Laune und Genuss.

Verspeist habe ich das ganze übrigens in den Kaiserpalastgärten, während ich mit einem Pärchen geplaudert habe, das aus Berlin kommt und mit einer Reisegruppe unterwegs ist und am 17. April wieder in die Heimat starten werden. Ach was sind die beiden angetan von der japanischen Höflichkeit, dem Service, der Freundlichkeit. Ich bin mir da nicht mehr so sicher. Service: Ohne Ende. Aber der Rest ist mir irgendwie nicht echt genug. Ich habe den beiden ihre Ansicht übrigens vollkommen gelassen und nur meine positiven Momente preisgegeben und beide damit lächelnd und zufrieden abziehen lassen, als die Gruppe wieder aufbrach.

Nach dem Kuchengenuss bin ich selbst nochmal in die Stadt gestromert (also Stadt ist ja alles.. sagen wir Aoyama und Shinjuku / Harajuku) und ein wenig gebummelt und geschaut, und meine Nase auch in ein paar Seitengassen gesteckt.

9.4.09 15:30

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Birgit / Website (2.6.09 20:23)
Ich habe Deine Einträge verfolgt und gelesen...das macht Lust auf mehr Reisen und mehr erfahren ! Was machst Du jetzt ?
Viel Grüße
Birgit

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