Müll und Luxus

Hallo an alle!

Das Internet hält mich momentan zum Narren, sodass ich nichts schreiben konnte. Mal tut es so, als würde es funktionieren (ich freu mich) und wenn ich etwas anklicke, macht es sich schnell aus dem Staub. Ich kann das kleine rote Kreuz unten rechts in der Ecke, das kommt und geht, wie es will, schon langsam nicht mehr sehen. Aber es gibt Schlimmeres. Naja, z.B., dass ich schon 2 oder 3 Tage nicht mehr mit Flo telefoniert habe. Kann auch länger her sein. Die Zeit vergeht hier doch irgendwie. (Stand 05.04.09, Sonntagmorgen) Zusatz: So, suche wieder seit 10 Minuten ein Netz, das mal ausreichend lange greifbar ist, um den Beitrag zu senden.
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Irgendwie habe ich nach der Sache mit der kleinen Miez am nächsten Tag (31. März) nicht viel mit mir anstellen können und wollen. Die Füße tun eigentlich dauerhaft weh, und mir geistert einfach zu viel im Kopf herum. Um mich ein wenig abzulenken, bin ich in den Bezirk Ueno gefahren, um dort ein wenig durch den Park zu laufen und dann auch gleich noch in den Zoo zu gehen.

Auf dem Weg dorthin bin ich an einem 100-Yen-Laden vorbeigekommen, das Pendant zu unseren T€DDY-Märkten, nur eben noch günstiger und alles 100 Yen zzgl. Mwst. von 5 %, manches auch 105 Yen (+ Märchensteuer), dann extra mit Schild ausgewiesen. Habe neben einem total bekloppten Haarband (um nasse Haare nach dem Duschen aus dem Gesicht zu halten) mit Froschkopf drauf noch eine Winnie-the-Pooh-Bear-Hanamisitzplane und diese Koala-Bären in Geschmacksrichtung Erdbeere und Banane (bei uns gibt es nur Milch und Schokolade). Sehr lecker.

Dann bin ich ein wenig durch den Park gestriffen. Natürlich wieder alles voller Hanami-Festlichkeiten und Menschen und Tempel und Schreine. Erstaunlich finde ich, dass Ankündigungen und Vorgehenseisen am Schrein diesmal mit Manga-Comicfiguren dargestellt waren. Das hätte ich an einem heiligen Ort nicht erwartet. Auch hier habe ich mir die Hände gewaschen und den Mund gespült, bevor ich mich die Treppen zum Schrein hinaufgewagt habe. Allerdings machen das offenbar die wenigsten. Die hauptsächliche Menschenmasse ist nämlich genauso Tourist im eigenen Land oder sogar in der eigenen Stadt wie ich.

Weiter in einer Stadt beinahe ohne Mülleimer (Tatsache, wenn es in Tokio noch etwas gibt mit seltenerer Anwesenheit als Deutsche, dann sind es Mülleimer – mit Glück im Bahnhof zu finden oder in einer Organisation wie Zoo oder Disney Resort), erstaunt es mich, was für ein Aufwand zu Hanami betrieben wird. Riesige Mülltaschen (richtig, nicht Säcke, sondern Taschen), für jede (vertretbare) Sorte Abfall eine. Plastik, Dosen, PET-Flaschen, Glasflaschen, Schaumstoff und Styropor, Pappe, Restmüll und Brennbares. Brennbares? Hmn.. Eigentlich brennt ja alles bis auf Glas und Aludosen, oder? Und PET-Flaschen bestehen ja auch aus Plastik. Entschuldigung, Kunststoff ^_^ (Hommage an meinen Job). Naja, das ist deren Sache.

Toll auch die Hinweisschilder, die Japaner immer so aufstellen. Das am Ueno-Park besagt: Kein Verkauf oder Werbung ohne Genehmigung (Zeichen: Hand mit Yenschein und Apfel, durchgestrichen). Tauben und Katzen füttern verboten (warum nicht einfach „Tiere füttern verboten? Die Karpfen, Krähen und Spatzen dürfen wir also bedenkenlos voll stopfen?). „Don’t play with fire or do other dangerous activities“ –> sehr variable Beschreibung. Ich glaube, laut Musikspielen gehört da auch dazu. Übrigens tolles Zeichen: durchgestrichene weiße Fläche mit nichts drin. Keine Hunde ohne Leine. Keine Motorräder (da sind überall Treppenstufen und Stopper, Leute!). Kein Zutritt zwischen 23 und 5 Uhr (es gibt aber keine Schranken?!), Rasenbetreten verboten (lauter Bäume abgebildet). Ja, alles fein. Übrigens gleich darauf die erste Frau erblickt, die ununterbrochen Enten und Möwen füttert – und die Tauben verscheucht. Denn der gute Japaner hält sich an Vorschriften! Ich frage mich nur, warum die ollen Tauben trotzdem so fett sind... Die sehen übrigens genauso aus wie unsere. Die Krähen aber nicht, und die klingen auch ganz anders.

Daraufhin habe ich mal ein Foto von mir geschossen und bemerkt, dass meine Frisur ganz abscheulich sitzt. Hab ewig an mir herumgezuckelt und war froh, dass es weder Kleider- noch Stylingordnungen gibt. Dann an den ganzen Ständen vorbei. Tolle Sachen gibt es da. Bananen mit Überzug und bunten Streuseln (nein, Flo, ich hab tatsächlich keine gefuttert!), Spiralkartoffel am Spieß (ja, eine ganze Kartoffel in einem Ringel geschnitten und auf einem Spieß frittiert – sah aus wie ein Tannenbäumchen), ganze kleine Fische hochkant am Spieß auf Holzkohle im Kreis gegrillt, verschiedene Nudelgerichte, ungekochte Spaghetti frittiert (seltsame Zubereitungsart), Süßkartoffelschnitze (sehr lecker und wirklich sehr süß, Maiskolben, Suppen, Chickennuggets (nur wollt ihr nicht wissen, welche Teile vom Huhn alles hinein kommen -_o), Hotdogs (also eigentlich nur Würste am Spieß ^_^), Omelettes (bloß nicht essen, sind keine richtigen, sondern Ei und Teig – brrr, süßes Eierpfannkuchen-Eischwabbel-Omelette mit Gemüse und Ingwerstreifen) usw. Und natürlich Döner. Also alles gar nicht sooo anders als bei uns.

Noch mehr Schreine und Tempel, aufmüpfige Möwen, schöne Boote auf dem Shinobatsu-Teich, Goldfische für 100 Yen das Stück zum Selberfischen (laut Erfahrung eines Bloggers halten die 2 Wochen bis 2 Monate, dann ist das Kindergeschrei groß und Lumpi, Sakura, Chinchan oder wie auch immer der gute Flossenfreund hieß, wird in der Toilette beerdingt), langweilige Karpfen und dicke süße Katzen, hässliche Schoßhunde (Größe meist bis Langhaardackel, Mops oder Minispitz) in noch hässlicheren Kleidchen und seltsam gekleideter Jugend (Tokio ist eine Weltmetropole, also merken und kaufen, denn bald schwappt der Stil – leider – wohl auch zu uns). An einem Stand hätte ich gerne etwas gekauft. Ein alter Mann mit einem Holzkarren und ein paar Bänken dahinter. Es duftet verführerisch, auch wenn man nicht erkennt, was sich da alles an geruchstechnischen Köstlichkeiten auf dem Grill befindet. Leider bin ich total satt und kann dem Guten keinen Besuch abstatten. Also begebe ich mich in den Zoo, den ich nach dem 3. Anlauf auch schon finde. Es gibt einfach zu vieles, was mich ablenkt. Ein kleiner Schrein mit vielen roten Torii hintereinander, die eine Gasse bilden, sieht wunderschön aus. Alte Steinsäulen ähnlich Laternen säumen die Wege, ein kleiner Kindervergnügungspark ich richtig schön hergerichtet… Aber ich schaffe es und erreiche mein Wegeziel.

Bei einem Eintritt von 600 Yen für Erwachsene (also unter 5 Euro) sollten sich so manche Zoos mal ein Beispiel dran nehmen. Es waren wirklich viele Menschen dort (was in einer Millionenstadt wie Tokio eigentlich auch nicht verwunderlich ist), und so schlecht waren die Anlagen nun auch nicht. Aber mit Hannover natürlich dennoch nicht zu vergleichen. Drinnen angekommen, mache ich es den Einheimischen nach und schnappe mir gleich eine solche jenige, um ihr meine Kamera in die Hand zu drücken und zu einem Foto zu nötigen. Gesagt, getan. Dankbar verbeugt. Da ich kein zappelndes Kind habe, fallen Wiederholungen flach und ich kann auch getrost die in Reih und Glied bereitgestellten Kinderwagen ignorieren, die der Zoo zur freien Verfügung offeriert (klasse Service). Der Zoo ist schön angelegt, aber ist halt eben ein Zoo. Ich schreibe da nun nicht so viel drüber. Wer die „Wilhelma“ in Stuttgart kennt und dann noch ein wenig Liebe hinzudenkt, der hat in etwa den Ueno-Zoo vor Augen. Süß übigens auch die sanitären Einrichtungen – für die Kids passend geht es eben „für kleine Elefanten“ im rosa Kleidchen oder blaues Pendant in Latzhose.

 Nach dem Zoo habe ich einen Abstecher auf den Ameyoko-Markt unter und neben der Bahn gemacht. Früher ein heimlicher Schwarzmarkt, werden hier heute öffentlich und gebilligt (sogar mit durch die Stadt angebrachtem Bogen mit „AMEYOKO“ am Straßenanfang) z.B. Markenkleidung und –Uhren oder auch frische Lebensmittel verkauft. Ganz lecker sind Krebsbein-Stücke (!) mit 50 cm-Länge (ein Glied des Beines also) oder Tintenfischtentakel in Armstärke in Blutlache anzusehen. Die Düfte von frischgebackenem Weißbrot und Gebäck vermischen sich mit dem Geruch von Fisch und anderem Meeresgetier. Gewöhnungsbedürftig. Ich kann mich da eher nicht entscheiden. Aber wahrscheinlich ist das so, wenn man nichts braucht und über die zufälligen Düfte und Eindrücke beim Kauf geht.

Und als wäre dieser Menschenauflauf nicht genug, steige ich zufällig an einer Haltestelle auf gut Glück aus und lande im Bezirk Roppongi, einem früher vor dem Platzen der Seifenblasenperiode (und eigentlich auch noch heute) sehr reichen Gebiet mit horrenden Grundstückspreisen und Läden, in denen ein Hut ab 180 Euro kosten, ein paar Strümpfe 45 Euro, und Designer wie Luis Vuitton (sowieso der absolute Held hier bei den Damen – und wen man nur einen Schlüssellederbeutel mit LV-Print hat, man MUSS etwas haben, um Frau zu sein) ihren Sitz und sogar eigene Boutiquen haben.

Auch hier habe ich mal wieder ein wunderbares Schild gesehen: „Alle Tiere müssen in diesem Gebäude auf dem Arm oder in Tragetaschen transportiert werden.“ Sehr schön. Verstärkt die Paris-Hilton-Taschenhund-Sympathie doch noch mehr. Oder: Hundtaschen statt Handtaschen o_O

Als es dunkel wird, wirkt MAMAN, die Riesenspinne auf dem Platz (was macht hier eine Spinne?) noch bedrohlicher, dafür hat man einen herrlichen Blick auf den nun beleuchteten Tokio Tower (Eifelturm, ich erwähnte). Hätte beinahe die Zeit vergessen, wäre es nicht mal wieder plötzlich mit Sonnenuntergang windig und ars… äh, saukalt geworden. Da auch das herrliche Farbspiel der Fontaine im Hof, der kleine grüne Park am Fuß des Gebäudekomplexes, der viele Marmor und die zahlreichen Riesenleinwände mit Vorschau auf japanische Soaps ala Dallas oder spanischer Seifenopern (wie rückschrittlich) den Wind nicht wett machen können, begebe ich mich nun endlich nach Hause mit einem kleinen Abstecher über das doch nicht so beeindruckende Tokio International Forum in Schiffsform (ein Kulturzentrum mit verschiedenen Hallen für künstlerische Darbietungen – und die üblichen Edelrestaurants). Nun wartet ein erholendes heißes Bad bei 45 ° plus auf mich.

5.4.09 01:51

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