Meiji-Schrein und Harajuku: Zwei Hochzeiten und ein Sündenfall (mindestens)

Am Sonntag ging es für mich erneut in den Yoyogi-Park (der Park also, in dem wir am Vortag Hanami feierten.

Der Meiji-Schrein ist einer der bedeutendsten Schreine in Japan, und zumindest in Tokio der überhaupt bedeutendste ever. Er liegt im Herzen des Yoyogi-Parks und sehr groß (als Gesamtanlage gesehen). Man schreitet durch mehrere hölzerne Torii (Tore aus japanischer Zypresse) und kommt nach einiger Wanderung über Brücke, Stein und Wald in den Schrein selbst.

Hier werden gerne Hochzeiten abgehalten (zwei habe ich mitbekommen: Zum einen ein Franzose, welcher eine Japanerin geheiratet hat - das Paar war bereits am Ende der Zeremonie angelangt. Eine Prozession schritt in Richtung des Paares und dann wurden Fotos gemacht und dann wars auch schon gut. wie gesagt, Endphase.

Die andere Braut wurde gerade geschmückt und bekam eine sehr aufwendige, wunderschöne Frisur und Haarschmuck wurde angelegt. Seltsamerweise kommt darauf eine sehr große Haube. Nicht unbedingt kleidsam (weil für europäische Augen sicher sehr ungewohnt), aber doch mit einer gewissen Eleganz. Der dazugehörige Bräutigam war total glücklich und hat andauernd und überall gelacht und gelächelt. Seltsam dennoch, dass es niemandem etwas ausmacht, im Gegenteil es normal zu sein scheint, dass die Touristen und Besucher der Anlage danebenstehen und fotografieren. Naja, wahrscheinlich sollen nur die Brautleute und die Familie selbst (die bis auf die Braut allesamt nonstop umherlaufen) nur nicht gestört werden, ebensowenig der engagierte Fotograf, und dann passt das schon.

Dann habe ich mir erst einmal einen Glücksbringer am Schrein gekauft, der Böses fernhalten soll und mir Glück herbeiwinkt. Jetzt kann ich immer schön klingeln, denn an dem kleinen Anhänger (den ich an den Rucksack gebunden habe) ist ein kupfergoldenes Glöckchen dran. Ich liebe Glöckchen ^_°

Natürlich habe ich mich vor dem Tempelgang gereinigt, indem ich meine Hände mit Wasser aus einem Becken gewaschen habe. Hier musste man lesiglich die Hände hineintauchen. Kellen gab es nicht, auch keinen Räucherbottich O_O

Danach ging es nach Harajuku, dem Cosplay-Mekka. Cosplay = Costume-Play, Jugendliche verkleiden sich wie Anime-Charaktere oder schaffen neue durch individuelle Kostümgestaltung. Auch wird hier die aktuelle schrille Mode gezeigt und gesehen. Erst war ich in den Seitenstraßen shoppen (oder bummeln) und habe dabei mindestens zwei Läden entdeckt, die Hundekleidung verkaufen. Bodys mit Flitterröckchen und "tollen" Prints darauf. Oder Tierkostüme für den Hund, z.B. eine Biene (mit Fühlern) für einen Mops (das war jedenfalls optisch für mich die Kleidergröße).

Außerdem habe ich da das erste Mal an dem Tag etwas gegessen - irgendwie kam ich vorher nicht dazu - und zwar Crepes mit Salat, Thunfisch und Curry (also nicht Currysauce, sondern japanischem Currygericht, das mit dem Pulver nur wenig zu tun hat, je nach Sorte). Ich muss sagen, dass das sehr lecker war. Eine gute Kombination. Natürlich gab es auch Süßes, und zwar ohne Ende, aber gegen Mittag muss es schon was Richtiges geben. Diese Crepes-Stände sind in diesem Stadtteil an jeder Ecke zu finden, und vor allem meistens innerhalb 10 Meter zwei nebeneinander / gegenüber, und die Japaner stehen da sowas von Schlange - also musste ich das auch testen. Also, sehr lecker, aber recht wenig und sicherlich nicht kalorienarm. So watch out, but try!

Dann wieder zurück zum Bahnhof, wo sich auf einer Brücke die Cosplayer versammeln. Einige Fotos werde ich dazu hochladen, erzählen brauche ich da ja nicht mehr viel. Die Cosplayer versammeln sich stets Sonntags auf der Brücke, so gegen Mittag geht es los. Viele tragen die Sachen versteckt unter ihrem Mantel, bis sie da sind, die meisten ziehen sich aber wahrscheinlich irgendwo vor Ort um. Bahnhofstoilette wahrscheinlich. Es ist stets ein Medienspektakel, das bei den Touristen als auch den regionalen Fotografen und auch vor allem bei den vielen (auch heimlichen) Liebhabern der Szene (auch als Fetisch) bekannt ist. Denn was man gerne mal dort sieht sind kurze Röckchen, Mädels in Lolita-Spitzenkleidchen, High Heels, Lack und Leder. Das bestimmt nicht alles, aber es ist mehr als ausreichend teil diverser Kostüme. Und das bei sengender Hitze - na Glückwunsch im Sommer.

Elvis wollte ich natürlich auch nicht gestorben sein lassen, so bin ich nochmals durch einen anderen Eingang in den Yoyogi-Park und bin auf das ein oder andere Elvisimitat gestoßen. Okay, Imitat ist falsch.. Anhänger, Fans, ja. Dazu auch ein rosa Cadillac und eine übersichtliche Anzahl Japanerinnen in Pettycoats. Die Jungs drehten die Musik auf, tanzten wie von Sinnen, machten Sprünge und Spagat, wie es Elvis selbst sicher nie geschafft oder auch nur versucht hat, und dann kam die Polizei, weil es zu laut wurde. Ja, hörbar auf offenbar mehr als 10 Meter - sowas muss ja sicherlich ein Verstoß gegen die öffentliche Ordnung sein ^_^

Da noch Zeit war, die Füße aber bereits schmerzten, habe ich mich in die U-Bahn (Tokyo Metro) gesetzt und bin erst einmal durch die Stadt gefahren nach Asakusa an den Sumida-River. Dort bin ich durch die kleinen Verkaufsgässchen gestromert und habe dann das "Kaminari-mon", das Tor des Donnergottes, und den dazugehörigen Sensou-ji-Tempels mit 5-Stöckiger Pagode besichtigt. Sehr beeindruckend, weil riesig und herrlich anzusehen. Hier war ich ja bereits bei Nacht, aber auch tagsüber ohne Anleuchtung ein Traum.

Ich habe dann eine Spende von 100 Yen in einen Schlitz geworfen und meine Vorhersage für dieses Jahr erschüttelt. In einem Metallbehälter sind 100 Stäbchen, auf japanisch von 1 - 100 nummeriert. Man schüttelt, dann dreht man die Metallbox, an der ein kleines Loch ist, und schüttelt so lange, bis passgenau ein Stäbchen herauskommt. Als ich die Zahl darauf gesehen und erkannt habe, habe ich mir gleich gedacht, dass das nichts gutes bringt. Hyaku, 100. Eine so hohe und gerade Zahl kann kein Glück bringen. Dann bin ich an die Schublade gegangen (Schubladen genau wie die Stäbchen von 1 - 100 vorhanden), habe einen Zettel aus dem gut gefüllten Fach genommen (den ich behalten dürfte) und gelesen, was mir die Zukunft für dieses Jahr bringt (ich wusste, dass in diesem Tempel mehrsprachige, also auch englische Weissagungen vorhanden sind).

Wie gefühlt: Negativ. Ich soll nicht reisen. Mit der Arbeit wird es nicht gut laufen. Es wird sich, sollte ich nichts festes haben (habe ich aber), keine Beziehung ergeben, usw. Eine Kopie werde ich ebenfalls zu den Fotos hinzufügen. Ich habe den Zettel dann schnell aufgeknüpft, damit sich dieses nicht erfüllt. Hoffen wir das Beste.

Bin dann den Sumida-kawa entlang gegangen und habe dem Hanami-Treiben zugeschaut, Nikuman (Dampfnudel mit Hackfleisch-Gemüse-Füllung) und Takoyaki (Tintenfischstücke in Teig in Form einer Kugel) gegessen und mich an den Trommlern und der guten Stimmung erfreut, zwei Geishas, die an einem Teestand bedienten, vor die Linse bekommen und den Sonnenuntergang genossen.

Danach ging es mit Umweg über eine echt japanische Toilette (wollte ich mal für euch fotografieren - ist ein Hockbecken im Boden) auf nächtlichen Erkundungsgang um meinen "Heimatbahnhof", da ich gehört habe, dass es dort ein Einkaufszentrum geben soll. Das gibt es, und es hat auch am Sonntag auf. Erstaunlicherweise habe ich gesehen, dass es hier ebenfalls Taiyaki gibt, die Dinger, die ich die Tage zuvor vergeblich gesucht hatte und mir dann habe zeigen lassen. Also die nächste Runde, sollte es die geben, geht über das Center.

Schließlich kam ich wieder im Hotel an, ging ins Bad (o-fura, großes Becken ab 40 °C - es waren denke ich um die 45 °C) und lernte dort eine Columbianerin kennen (geschätzte 5-7 Jahre älter), die gerade ausstudiert hat (Australien) und nun vor dem Arbeitsbeginn noch einmal richtig reisen und die asiatische Welt sehen will. Wir haben uns dann zu einem Drink in der "Hotelbar" verabredet und dort einige andere Leute aus diversen Ländern kennengelernt. Habe zwei Katana (Sake mit Grapefruit-Saft und White Curacao) getrunken, dank eines Willkommen-Gutscheins (den ich beim Einchecken nicht erhielt, mir aber anerkannt wurde) für insgesamt 600 statt 800 Yen. Um 2:35 bin ich dann ungefähr wieder ins Zimmer und nach kurzem Skypen mit Flo ins Bett gefallen.

Ach ja, habe ein Bunny ergattern können. Eigentlich wollte ich von Shimpei, dem Barkeeper (ist halt einfach ein Zimmer mit ner kleinen Küche dahinter, und man kann da ab gewissen Uhrzeiten nett sitzen) nur wissen, wo es die Bunnys gibt. Hat er mir gleich eines geschenkt. Aus einem Greifer-Spiel, das könne ich nicht kaufen.

Schöner abend, kurze Nacht.
Bye bye
Rena


 

30.3.09 14:53

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Flo der Weise ;) (30.3.09 16:27)
Huhu mein Schatzi, mal wieder total schön geschrieben (aber ich hab ja eben auch schon am Telefon gesagt) *schleim* Wollte dir nur noch mal einen Kuss dalasssen. Schlaf gut! Ist ja immerhin schon halb 12 Abends bei dir
Dein Flo

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