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Müll und Luxus

Hallo an alle!

Das Internet hält mich momentan zum Narren, sodass ich nichts schreiben konnte. Mal tut es so, als würde es funktionieren (ich freu mich) und wenn ich etwas anklicke, macht es sich schnell aus dem Staub. Ich kann das kleine rote Kreuz unten rechts in der Ecke, das kommt und geht, wie es will, schon langsam nicht mehr sehen. Aber es gibt Schlimmeres. Naja, z.B., dass ich schon 2 oder 3 Tage nicht mehr mit Flo telefoniert habe. Kann auch länger her sein. Die Zeit vergeht hier doch irgendwie. (Stand 05.04.09, Sonntagmorgen) Zusatz: So, suche wieder seit 10 Minuten ein Netz, das mal ausreichend lange greifbar ist, um den Beitrag zu senden.
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Irgendwie habe ich nach der Sache mit der kleinen Miez am nächsten Tag (31. März) nicht viel mit mir anstellen können und wollen. Die Füße tun eigentlich dauerhaft weh, und mir geistert einfach zu viel im Kopf herum. Um mich ein wenig abzulenken, bin ich in den Bezirk Ueno gefahren, um dort ein wenig durch den Park zu laufen und dann auch gleich noch in den Zoo zu gehen.

Auf dem Weg dorthin bin ich an einem 100-Yen-Laden vorbeigekommen, das Pendant zu unseren T€DDY-Märkten, nur eben noch günstiger und alles 100 Yen zzgl. Mwst. von 5 %, manches auch 105 Yen (+ Märchensteuer), dann extra mit Schild ausgewiesen. Habe neben einem total bekloppten Haarband (um nasse Haare nach dem Duschen aus dem Gesicht zu halten) mit Froschkopf drauf noch eine Winnie-the-Pooh-Bear-Hanamisitzplane und diese Koala-Bären in Geschmacksrichtung Erdbeere und Banane (bei uns gibt es nur Milch und Schokolade). Sehr lecker.

Dann bin ich ein wenig durch den Park gestriffen. Natürlich wieder alles voller Hanami-Festlichkeiten und Menschen und Tempel und Schreine. Erstaunlich finde ich, dass Ankündigungen und Vorgehenseisen am Schrein diesmal mit Manga-Comicfiguren dargestellt waren. Das hätte ich an einem heiligen Ort nicht erwartet. Auch hier habe ich mir die Hände gewaschen und den Mund gespült, bevor ich mich die Treppen zum Schrein hinaufgewagt habe. Allerdings machen das offenbar die wenigsten. Die hauptsächliche Menschenmasse ist nämlich genauso Tourist im eigenen Land oder sogar in der eigenen Stadt wie ich.

Weiter in einer Stadt beinahe ohne Mülleimer (Tatsache, wenn es in Tokio noch etwas gibt mit seltenerer Anwesenheit als Deutsche, dann sind es Mülleimer – mit Glück im Bahnhof zu finden oder in einer Organisation wie Zoo oder Disney Resort), erstaunt es mich, was für ein Aufwand zu Hanami betrieben wird. Riesige Mülltaschen (richtig, nicht Säcke, sondern Taschen), für jede (vertretbare) Sorte Abfall eine. Plastik, Dosen, PET-Flaschen, Glasflaschen, Schaumstoff und Styropor, Pappe, Restmüll und Brennbares. Brennbares? Hmn.. Eigentlich brennt ja alles bis auf Glas und Aludosen, oder? Und PET-Flaschen bestehen ja auch aus Plastik. Entschuldigung, Kunststoff ^_^ (Hommage an meinen Job). Naja, das ist deren Sache.

Toll auch die Hinweisschilder, die Japaner immer so aufstellen. Das am Ueno-Park besagt: Kein Verkauf oder Werbung ohne Genehmigung (Zeichen: Hand mit Yenschein und Apfel, durchgestrichen). Tauben und Katzen füttern verboten (warum nicht einfach „Tiere füttern verboten? Die Karpfen, Krähen und Spatzen dürfen wir also bedenkenlos voll stopfen?). „Don’t play with fire or do other dangerous activities“ –> sehr variable Beschreibung. Ich glaube, laut Musikspielen gehört da auch dazu. Übrigens tolles Zeichen: durchgestrichene weiße Fläche mit nichts drin. Keine Hunde ohne Leine. Keine Motorräder (da sind überall Treppenstufen und Stopper, Leute!). Kein Zutritt zwischen 23 und 5 Uhr (es gibt aber keine Schranken?!), Rasenbetreten verboten (lauter Bäume abgebildet). Ja, alles fein. Übrigens gleich darauf die erste Frau erblickt, die ununterbrochen Enten und Möwen füttert – und die Tauben verscheucht. Denn der gute Japaner hält sich an Vorschriften! Ich frage mich nur, warum die ollen Tauben trotzdem so fett sind... Die sehen übrigens genauso aus wie unsere. Die Krähen aber nicht, und die klingen auch ganz anders.

Daraufhin habe ich mal ein Foto von mir geschossen und bemerkt, dass meine Frisur ganz abscheulich sitzt. Hab ewig an mir herumgezuckelt und war froh, dass es weder Kleider- noch Stylingordnungen gibt. Dann an den ganzen Ständen vorbei. Tolle Sachen gibt es da. Bananen mit Überzug und bunten Streuseln (nein, Flo, ich hab tatsächlich keine gefuttert!), Spiralkartoffel am Spieß (ja, eine ganze Kartoffel in einem Ringel geschnitten und auf einem Spieß frittiert – sah aus wie ein Tannenbäumchen), ganze kleine Fische hochkant am Spieß auf Holzkohle im Kreis gegrillt, verschiedene Nudelgerichte, ungekochte Spaghetti frittiert (seltsame Zubereitungsart), Süßkartoffelschnitze (sehr lecker und wirklich sehr süß, Maiskolben, Suppen, Chickennuggets (nur wollt ihr nicht wissen, welche Teile vom Huhn alles hinein kommen -_o), Hotdogs (also eigentlich nur Würste am Spieß ^_^), Omelettes (bloß nicht essen, sind keine richtigen, sondern Ei und Teig – brrr, süßes Eierpfannkuchen-Eischwabbel-Omelette mit Gemüse und Ingwerstreifen) usw. Und natürlich Döner. Also alles gar nicht sooo anders als bei uns.

Noch mehr Schreine und Tempel, aufmüpfige Möwen, schöne Boote auf dem Shinobatsu-Teich, Goldfische für 100 Yen das Stück zum Selberfischen (laut Erfahrung eines Bloggers halten die 2 Wochen bis 2 Monate, dann ist das Kindergeschrei groß und Lumpi, Sakura, Chinchan oder wie auch immer der gute Flossenfreund hieß, wird in der Toilette beerdingt), langweilige Karpfen und dicke süße Katzen, hässliche Schoßhunde (Größe meist bis Langhaardackel, Mops oder Minispitz) in noch hässlicheren Kleidchen und seltsam gekleideter Jugend (Tokio ist eine Weltmetropole, also merken und kaufen, denn bald schwappt der Stil – leider – wohl auch zu uns). An einem Stand hätte ich gerne etwas gekauft. Ein alter Mann mit einem Holzkarren und ein paar Bänken dahinter. Es duftet verführerisch, auch wenn man nicht erkennt, was sich da alles an geruchstechnischen Köstlichkeiten auf dem Grill befindet. Leider bin ich total satt und kann dem Guten keinen Besuch abstatten. Also begebe ich mich in den Zoo, den ich nach dem 3. Anlauf auch schon finde. Es gibt einfach zu vieles, was mich ablenkt. Ein kleiner Schrein mit vielen roten Torii hintereinander, die eine Gasse bilden, sieht wunderschön aus. Alte Steinsäulen ähnlich Laternen säumen die Wege, ein kleiner Kindervergnügungspark ich richtig schön hergerichtet… Aber ich schaffe es und erreiche mein Wegeziel.

Bei einem Eintritt von 600 Yen für Erwachsene (also unter 5 Euro) sollten sich so manche Zoos mal ein Beispiel dran nehmen. Es waren wirklich viele Menschen dort (was in einer Millionenstadt wie Tokio eigentlich auch nicht verwunderlich ist), und so schlecht waren die Anlagen nun auch nicht. Aber mit Hannover natürlich dennoch nicht zu vergleichen. Drinnen angekommen, mache ich es den Einheimischen nach und schnappe mir gleich eine solche jenige, um ihr meine Kamera in die Hand zu drücken und zu einem Foto zu nötigen. Gesagt, getan. Dankbar verbeugt. Da ich kein zappelndes Kind habe, fallen Wiederholungen flach und ich kann auch getrost die in Reih und Glied bereitgestellten Kinderwagen ignorieren, die der Zoo zur freien Verfügung offeriert (klasse Service). Der Zoo ist schön angelegt, aber ist halt eben ein Zoo. Ich schreibe da nun nicht so viel drüber. Wer die „Wilhelma“ in Stuttgart kennt und dann noch ein wenig Liebe hinzudenkt, der hat in etwa den Ueno-Zoo vor Augen. Süß übigens auch die sanitären Einrichtungen – für die Kids passend geht es eben „für kleine Elefanten“ im rosa Kleidchen oder blaues Pendant in Latzhose.

 Nach dem Zoo habe ich einen Abstecher auf den Ameyoko-Markt unter und neben der Bahn gemacht. Früher ein heimlicher Schwarzmarkt, werden hier heute öffentlich und gebilligt (sogar mit durch die Stadt angebrachtem Bogen mit „AMEYOKO“ am Straßenanfang) z.B. Markenkleidung und –Uhren oder auch frische Lebensmittel verkauft. Ganz lecker sind Krebsbein-Stücke (!) mit 50 cm-Länge (ein Glied des Beines also) oder Tintenfischtentakel in Armstärke in Blutlache anzusehen. Die Düfte von frischgebackenem Weißbrot und Gebäck vermischen sich mit dem Geruch von Fisch und anderem Meeresgetier. Gewöhnungsbedürftig. Ich kann mich da eher nicht entscheiden. Aber wahrscheinlich ist das so, wenn man nichts braucht und über die zufälligen Düfte und Eindrücke beim Kauf geht.

Und als wäre dieser Menschenauflauf nicht genug, steige ich zufällig an einer Haltestelle auf gut Glück aus und lande im Bezirk Roppongi, einem früher vor dem Platzen der Seifenblasenperiode (und eigentlich auch noch heute) sehr reichen Gebiet mit horrenden Grundstückspreisen und Läden, in denen ein Hut ab 180 Euro kosten, ein paar Strümpfe 45 Euro, und Designer wie Luis Vuitton (sowieso der absolute Held hier bei den Damen – und wen man nur einen Schlüssellederbeutel mit LV-Print hat, man MUSS etwas haben, um Frau zu sein) ihren Sitz und sogar eigene Boutiquen haben.

Auch hier habe ich mal wieder ein wunderbares Schild gesehen: „Alle Tiere müssen in diesem Gebäude auf dem Arm oder in Tragetaschen transportiert werden.“ Sehr schön. Verstärkt die Paris-Hilton-Taschenhund-Sympathie doch noch mehr. Oder: Hundtaschen statt Handtaschen o_O

Als es dunkel wird, wirkt MAMAN, die Riesenspinne auf dem Platz (was macht hier eine Spinne?) noch bedrohlicher, dafür hat man einen herrlichen Blick auf den nun beleuchteten Tokio Tower (Eifelturm, ich erwähnte). Hätte beinahe die Zeit vergessen, wäre es nicht mal wieder plötzlich mit Sonnenuntergang windig und ars… äh, saukalt geworden. Da auch das herrliche Farbspiel der Fontaine im Hof, der kleine grüne Park am Fuß des Gebäudekomplexes, der viele Marmor und die zahlreichen Riesenleinwände mit Vorschau auf japanische Soaps ala Dallas oder spanischer Seifenopern (wie rückschrittlich) den Wind nicht wett machen können, begebe ich mich nun endlich nach Hause mit einem kleinen Abstecher über das doch nicht so beeindruckende Tokio International Forum in Schiffsform (ein Kulturzentrum mit verschiedenen Hallen für künstlerische Darbietungen – und die üblichen Edelrestaurants). Nun wartet ein erholendes heißes Bad bei 45 ° plus auf mich.

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Wasser und Strom - eine XXX-Mischung (<-- Herzblatt-Zusammenfassung)

Viel habe ich am Mittwoch nicht gemacht. Nachdem ich ja am Vortag nicht viel gehen wollte und dann einen der längsten Märsche gemacht habe, ging es in den Stadtteil Akihabara, die Elektronikmeile Tokios. Allerdings habe ich nichts Besonderes gefunden.

Mit dem Elektronik-Zeugs kann ich wenig anfangen. Die einen Läden haben alles mögliche Werkzeug und Kleinteile, um Kaputtes selbst wieder heile machen zu können. Die nächsten verkaufen nur Handys, dann nur Kameras, oder eben Reiskocher und andere Haushaltselektronik. Dann auf Hifi spezialisierte Geschäfte und ab und an ein Anime-Hentai-Ero-Laden, in dem es eben von Anime (Zeichentrickfilme) über Hentai (das gleiche in XXX) und Manga-Style-Erotik-Toys oder sexy-knappe Kostüme als auch Comichefte alles zu kaufen gibt.

Weiter ging es zufällig zur Hachiko-Statue, dem beliebtesten Treffpunkt der Tokionesen, weil einfach bekannt wie ein bunter Hund (auch wenn es ein grauer ist). Dem seinen Herrn bis in den Tod treuer Hund wird sogar so verehrt, dass er noch heute, Jahre danach, Blumen vor die Pfoten gelegt bekommt.

Neben den unglaublich kurzen gürtelartigen Röcken der Japanerinnen oder den anderen schrillen Kleidungsstilen fällt immer wieder die „rollende Frauenhandtasche“ auf: ein Trolley, oft grellpink oder mit Mickey-Maus und Hello-Kitty darauf. Was haben die Damen nur alles da drin? Ich komm mich einem einfachen Eastpak-Rucksack aus, und der ist momentan nur relativ voll, weil ich Tourist bin, das Internet kaum geht und ich mich auf warmes wie kaltes Wetter vorbereiten muss, einen Stadtplan in Form eines Buches samt 2 Wörterbüchern mitführe und ab und zu mal im 100-Yen-Laden (begrenzt) zuschlage.

Auf dem Rückweg nach Hause mache in am Tokioter Hauptbahnhof Halt. Der soll ja wunderschön sein, weil auf alt gemacht. Naja, momentan ist alles zugestellt mit Sicherheitswänden, denn es soll mal wieder umgebaut werden. Alt reicht nicht. Nun muss der Bau noch barocke (oder was weiß ich, in welche Epoche gehörend) Kuppeldächer bekommen. Unter dem Gebäude führen ewige Schächte. Ich bin beinahe einen Kilometer gelaufen, bis ich wieder ans Tageslicht kam. Dafür habe ich eine recht schöne Galerie (Gyoko-dori Underground Gallery) mit Aufnahmen aus dem alten wie auch gegenwärtigen Tokio und Restjapan gesehen, die dort hineinplatziert worden ist.

Herausgekommen bin ich am Wadakura Fountain Park neben den Kaiserpalastgärten (letzteren habe ich mir aufgrund einsetzenden Nieselregens, grau in grau und Beinschmerzen nicht mehr gegeben), der eigentlich ganz schön und entspannend anzusehen ist, aber eigentlich nur eine Symbiose aus Stein und Wasser darstellt. Sehr puristisch-spartanisch.

Auf dem Rückweg habe ich die neueste Mode der männlichen Japaner zwischen 20 und 30 entdeckt – Stoffhosen, die noch etwa 3x breiter sind als Baggy-Pants der hiesigen HipHop-Gemeinde. Vielleicht ist es auch Sumoringer-Alltagskleidung? Jedenfalls sieht es verboten aus ^_^ Und die Träger schauen dann auch immer (grundsätzlich) grimmig und machen auf  Bad-Boy-Boxer.

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Tokyo Disneyland Resort - Das Warten nimmt (k)ein Ende

An meinem neunten Tag hat es tatsächlich geklappt: Tokyo Disneyland Resort.

Nach einer Fahrt mit der in der frühen Rush Hour total überfüllten U-Bahn komme ich voller Erwartungen und Befürchtungen an der Station Maihama an. An einigen Passanten bzw. Ex-Mitpassagieren kann ich mich vorbeischlängeln, aber eigentlich ist es viel zu voll dafür, dass die Schule angeblich am 01. April wieder anfangen sollte. Entweder war das ein Aprilscherz, oder aber gewisse Klassen (und damit ja andere Schulen - Unter-, Mittel- oder Oberschule) haben einfach versetzt zu den anderen Unterricht. Es ist auffällig, dass viele Eltern mit Kleinkindern da sind, aber auch hauptsächlich Schulpflichtige im geschätzten Alter 15-17.

Ständig schaue ich mich um, wie viele Leute bereits jetzt in die mir entgegengesetzte Richtung marschieren, denn das darf ja eigentlich nicht sein und hat das letzte Mal ja bewiesen, dass Leute ohne passendes Ticket aufgrund des hohen Besucheransturms nicht hineinkamen. Auch diesmal sieht man ganze Familien abdackeln, aber deutlich weniger, und keinerlei Ausländer diesmal. Also europäische Ausländer, meine ich. Koffer haben die Japaner sowieso alle dabei, also wie unterscheiden, wer gehen muss (kein Ticket) oder wer freiwillig geht (Abreise aus dem Hotel). Ich sehe wieder massig Menschen anstehen und renne deshalb zum Eingang mit der Taschenkontrolle, nachder erst die Kassenwarteschlangen beginnen. Nein, diesmal nicht. Diesmal wirst du mich nicht los, Herr Disney!

Die Frau vor mir braucht ewig an der Kontrolle. Da wollte die gute doch eine Dose Sodazeugs mit in den Park nehmen. Da muss der Kontrolleur aber mal kräftig und ausführlich "du du du" machen. Nachdem die Dame offenbar versichert, dass das für die lange Warteschlange an der Kasse ist und bis zum Erhalt des Tickets sicher leer sein wird, darf sie passieren. Seltsamerweise kontrolliert man immer nur die Taschen. Diese ominösen japanischen Trolleys passieren stattdessen problemlos. Kein Wunder, dass man später doch so einige Picknicker mit eigenem Happa antrifft. Aber naja.

Jedenfalls komme ich problemlos durch. Meine 3 Stück Süßkram hab ich gut in meiner Kameratasche und weiß nicht mehr wo versteckt. Waren aber auch nur so zwei-Bissen, jeweils eine Neugeborenenfaust klein. Aber lecker. Hab ich vom Asakusa-Tempel ^_^ Wie Taiyaki, nur besser. Wie auch immer...

An der Kasse bezahle ich problemlos meinen Ichi(1)-DEE-PASUPOOTO (warum können die nicht einfach englisch ohne Silben lernen? Steht doch sogar richtig auf dem Schild, aber mit Katakana-Silbenschrift darunter, denn einen UON-DÄI-PÄSSPORT haben die nicht - weil verstehen sie nicht). Dabei bekomme ich wortlos mit einem Lächeln einen dreisprachig ausgeführten Zettel hingehalten, den ich lese, abnicke (übersetzt: "Aufgrund extremer Wetterbedingungen (Anmerkung: es war windig) können manche Attraktionen und Veranstaltungen vom Betreiber ersatzlos abgebrochen / geschlossen werden" und mir dann das Ticket unter tausenden Dankeshymnen auf mich, den Gott "Kunde", überreichen lasse. Yeah! Gleich Fotoapparat gezückt und die ersten Bilder gemacht. Wie ein echter Japaner halt. ^_^

Und was für ein Spitzenservice die guten Leute bieten: Es gibt extra Angestellte, die als Fotografen dankbar deine Kamera entgegennehmen, sich verbeugen, ein Foto von dir schießen, dir die Kamera unter erneuter Verbeugung zurück reichen, und sich dann dankbar verabschieden und - na - verbeugen. Wunderbar. So können "Singles" wie auch Familien mal ganz aufs Foto - ohne, dass der Körper fehlt, oder der Papa. Der fehlt ja meistens auf Bildern.

Und da ich mich etwas planlos fühlte, habe ich mich gleich an die erste Attraktion angestellt, die greifbar war, als ich mich nun eben mal dazu entschied, mich nun einfach anzustellen, da alles andere ja wenig Sinn macht. Also stand ich am Haunted House, einem Spukschloss, das nichts weiter ist als ein Geisterbahn. Hätt ich ahnen können, habe ich auch, aber nachdem ich da nun 10 Minuten stand, wollte ich nicht aufgeben.  Die aktuelle Wartezeit wurde übrigens mit 130 Minuten angegeben, was auch so ziemlich genau hin kam. 130 Minuten sind übrigens eine Spitzenzeit an einem normalen Tag, so scheint es mir. Gelohnt hat sich das Warten nicht wirklich, aber immerhin, ich bin etwas gefahren, und musste nur knapp 2 Stunden dafür warten. Immerhin strahlender Sonnenschein, nur eben ab und an, wenn ungeschützt durch die seitlich mal nicht vorhandenen Menschenmassen, sehr windig-frisch.

Nach dem Spukschloss war auch schon Zeit fürs Mittagessen ^_^ Also habe ich mich für (ich hab es so vermisst) Fritten und einen Burger entschlossen. Mit Coke Light und als Double-Burger machte das 880 Yen. Ist okay. War erstmal satt und konnte mich wieder anstellen. Aber diesmal habe ich mir eine Churros-Stange mitgenommen, so ein frittiertes Gebäck, das ich schon aus Deutschland (nur viele kleine Stücke mit Puderzucker bestäubt) kenne. Die Geschmacksrichtung hier in Japan war interessant: Lemon-Melon. Aber irgendwie total gut. Leider hat die nur etwa 5 Minuten gehalten, was bei einer Wartezeit von angekündigten 180 Minuten am nächsten Fahrgeschäft einfach nichts ist. Hab mich dann auch umentschieden und bin in die Toontown gegangen, den Bereich, in denen die Häuser von Goofy, Donald Duck, Chip 'n' Chap, Mickey, Minney usw. stehen. In die meisten Häuser ging es fix, Minney sollte 45 Minuten Wartezeit haben, Mickeys Haus sogar 60 Minuten. Da bin ich dann auch erstmal wieder gegangen und im Baumhaus der Streifenhörnchen und auf Donalds "Miss Daisey"-Schiff herumgeturnt.

Da es sich anbot und gerade irgendein Event im Ansturm war, habe ich die geringe Wartezeit von 35 Minuten an der ToonTown-Achterbahn genutzt und mich dann für süße 60 Sekunden Fahrzeit in einer schön gemachten Kulisse angestellt. Es ist übrigens immer wieder erstaunlich, wie geschickt diese Fahrgeschäftebauer und Planer es machen, dass man sich schon aufs Fahren freut, weil das Ziel in Sicht ist ("toll, es hat doch nicht so lang gedauert, wie angekündigt", und hinter einer unscheinbaren Kurve oder Menschenmassen plötzlich eine weitere Warteschleife auftaucht, die alle Hoffnung zunichte macht.

Tatsächlich folgte dann eine Parade, die gerade begonn, als ich aus der Achterbahn stieg. Schnell einen guten Platz gesucht und ein paar Schnappschüsse gemacht. Auf dem Weg zum ToonTown-Wacky-Race (oder wie auch immer das heißt) registriert, dass es hier tatsächlich Kinderwagenabstellflächen gibt, je Kinderwagenbreite aufgezeichnete Parkbuchten vor den Fahrgeschäften, und die privaten Wägen stehen da tatsächlich mit viel Hab und Gut darauf - und nichts kommt weg. Das könnte man in keinem europäischen Land machen, das wissen wir alle. Selbst wenn ich dem eigenen Land trauen würde (was ich in diesem Fall leider nicht kann), dann aber nicht den Touristen. Aufgrund der Parade und meines Sprintvermögens betrug die Wartezeit dann auch nur ca. 60 Minuten für mich.

Als ich wieder raus kam und somit die 3. Attraktion hinter mir hatte, war es 16 Uhr. Ich habe also 6,5 Stunden angestanden für eine Eintrittskarte, 3 Attraktionen und ein Mittagessen. Okay. So langsam merke ich, was es heißt, ein Japaner zu sein, zu warten, ohne zu meckern. Okay, zweimal habe ich in der Zeit geflucht, weil manche so rücksichtslos rempeln UND, das vor allem, weil die Japaner eine ganz miese Freihaltementalität haben. Jemand steht an. Handy eigentlich immer bereit. Plötzlicher Anruf. So ala "Bist du heute nicht auch im Disney-Resort? Stehst du gerade wo gut an?" "Ja, bin am XYZ. Dauert nur noch etwa 30 Minuten, schätze ich. Komm doch her." Und dann kommt irgendeine Gruppe an, drängelt sich (durch alle geduldet) durch die Reihen, gehen zu der Telefonistin, man begrüßt sich kreischend (also kann man nicht sagen, dass sich einer aus der Gruppe einfach schonmal angestellt hat - nein, die sehen sich zum ersten Mal heute!). Ich hasse es. Und dann diese Familien, die immer wieder jemanden losschicken, der von irgendeinem Stand Essen und Getränke in die Warteschlange bringt. Da stehst du alleine und dir knurrt der Magen vor Hunger oder Durst, und die bringen duftende Hotdogs, Churros, Pommes, Burger oder sonstige Leckereien an. Gemein...

Übrigens kleiden sich die Japaner mal echt panne, sobald sie in einen Vergnügungspark gehen. Erstmal wird meist noch vor Eintritt in den Park ein Souvenirshop aufgesucht. Der wird geplündert. Hat man dies aus irgendeinem Grund vergessen oder nicht gemacht, folgt das sofort nach Passieren des Portals. Dann setzen sie sich Plüschkapuzen auf, die aussehen wie die Köpfe von Donald und Mickey persönlich, oder wie der lila-blaue aus Monster-AG, MIT Armen! Oder Minney-Maus-Ohren. Jedes Mädchen hat nun ein zusätzliches Paar Ohren, und eine riesige Minnie-Schleife im Haar.Oft wird auch Kappe mit Schleife kombiniert. Dann hat das Monster aus Monster-AG plötzlich eine rote Riesenschleife im Zottelfell. Naja. Andere schnallen sich Tierschwänze um. Nichts Schweinisches, eher Tiggerisches. Nämlich Hüftgürtel mit Plüschruten irgendwelcher Disney-Bewohner.. Maus, Tiger, Fuchs, Grinsekatze... Wunderschön. Grmpf.

Die nächste Attraktion war eine Bootsfahrt durch die "It's a small World"-Welt. Lauter singende Puppen aus aller Herrenländer. Sehen alle gleich aus, haben nur was anderes an und singen alle das selbe bescheuerte Lied. Okay, manche haben tatsächlich eine andere Sprache, begrenzt sich aber auf vielleicht 5 Sprachen, der Rest ist offenbar übertalentiert und so singt man in Uruguay und Malta halt auch französisch, während wir Deutschen einfach nur in Lederhosen dastehen und auf der Tuba blasen, statt zu singen. Ich glaube, hier habe ich nur etwa 40 Minuten angestanden. Echt entspannend.

Dann wollte ich zum Splash Mountain. Ein nicht ganz freier Sturz ins rauschende Nass. Wildwasser extrem also. Bei Ankunft und Sicht der aktuellen Wartezeittafel habe ich lachend ein Foto geknipst und mir ein anderes Ziel gesucht. Ich warte doch keine 200 Minuten auf einen Sturz ins Wasser, wenn der wind pfeift. Nee. Bis dahin waren eh schon zwei Shows auf der Freilichtbühne abgesagt worden wegen Wind (so schlimm wars nun echt nicht), da muss ich nicht nass ohne Wechselklamotten-Trolley in der Gegend herumstehen und mir den Tod holen - geschweigeden beim Anstehen einschlafen. Mal ehrlich.. es muss so um die 17 Uhr gewesen sein, plus-minus. Wenn ich da nun knapp 3,5 Stunfrn stehe... Das ist so, als ob ich in der DDR um eine Banane anstünde. Ist was Seltenes, macht aber nicht lange glücklich.

Habe mir dann auch Ohren gekauft. Aber kleine unauffällige weiße Katzenohren von Marie, der Aristocats-Dame. Die fand ich echt süß. Aber damn, Japanerinnen können sowas echt besser tragen. Egal. Keine Investition, aber macht Spaß. Wie Bananen nach dem Fall der Mauer. ^_^ (Sorry *grins*)

Bin dann damit zu Minnies Haus, die nur 40 Minuten Wartezeit voraussagte, und habe mich da wieder von einer netten Beauftragten fotografieren lassen. So einen Job möchte ich auch haben.. Lächeln, einen Knopf drücken, einmal verbeugen und dann immer eine Gruppe Leute (Einzelperson, Familie oder kleine Reisepartie) ins Haus eintreten lassen. Minnie wohnt übrigens sehr mädchenhaft, wie man es erwarten darf. Kitschig könnte man es (nur beinahe) nennen. Und sie liebt Käse. Ach nee, ich auch! Ach, wir sind uns so ähnlich ^_^ (eher nicht).

Dann hab ich mir ne Wurst gekauft. Eine Wurst am Knochen. Ja, am Knochen. Als hätte jemand die abgenagten Spare-Ribs einfach weiterverarbeitet. Darm aufgespannt, Wurstmansche rein, Knochen hinterher als Griff - passt. Ist aber umweltfreundlicher. Nichtmal doof, aber irgendwie gewöhnungsbedürftig. Die Wurst nennt sich dann beim Bestellen SOOSETSCHI, weil Sausage gibts hier auch nicht. Es gab hier ausnahmsweise auch eine rein japanische Bezeichnung für Wurst, aber die Kanji (chinesische Zeichen) kann ich nun bei weitem nicht entziffern. Doof, das. International, sag ich nur.

Die Sonne neigt sich dem Untergang zu. Eine Bühnenshow (Plätze im Mittelfeld gibts übrigens durch Auslosen 30 Minuten vor der Show selbst - ich habs gar nicht erst versucht) beginnt, die ich so langweilig finde, dass ich sie nach wenigen Fotos sich selbst überlasse und hoffe, dass ich die Einzige bin, die so denkt, sodass ich die Fahrgeschäfte ausnutzen kann. Die Show ist sehr langweilig für Nicht-Kleinkinder, und so ist der Space Mountain gut gefüllt. Immerhin nur 85 Minuten Wartezeit. Ja, ich denke mittlerweile schon in "nur"s. Vor drei Stunden hat man hier auch wirklich 3 Stunden gestanden, also 180 Minuten. Der Space Mountain liegt mir ganz besonders am Herzen, denn als ich damals mit meiner Familie im Euro Disneyland Paris war, war der glaube ich defekt / gesperrt oder so. Jedenfalls weiß ich bis heute (damals war ich noch echt klein / jung), dass wir das Ding nicht durchziehen konnten. Und es hat Spaß gemacht. ^_^

Gerade raus, da fängt um etwa 19:30 Uhr die Disney Main Street Electrical Parade an. Es ist zappenduster. Die Leute werden angewiesen, wo sie hinsollen. Stehen ist verboten. Ja, wirklich! Man wird angewiesen, wo man sich (wie breit man sich dann auch immer machen möchte und kann) hinzusetzen hat. Und es sitzen wirklich alle. Es ist erstaunlich, wie weit man so sehen kann, obwohl man selbst sitzt. Dann der erste Wagen. Es sieht echt atemberaubend aus. Riesige Fahrzeuge in Tier- und Fantasieform mit abertausenden Lichtern, darauf Kostümierte (halt die Stars des Parks ^_^). Wieder ein paar Schnappschüsse im Kasten. Wunderbar.

Schnell in die Warteschlange für so ein Rocket-Fahrgerät. Wie diese "Flugzeug-Karussels", nur weiter oben und mit schönem Blick über den Park und vor allem mit Blick auf die Stadt drumherum. Wolkenkratzer mit erleuchteten Fenstern und roten Warnlichtern am Dach. Das Karussel wird übrigens gesponsort durch JAL, Japan Airlines. Bietet sich an. Die Tagesparade wurde von Docomo, dem größten (mittlerweile will ich fast glauben dem einzigen) Anbieter für Mobilfunk und Handys. Die Nachtparade wird präsentiert von UNISYS, welche nach googeln in der IT-Branche tätig sind, Bereich Consulting, IT Solutions, Outsourcing und Verkauf ganzer Systeme. Für die, die es interessiert. 

Das Feuerwerk danach um 20:30 Uhr wird leider abgesagt. Wegen zu starken Windes. Ich spüre kaum noch was. Aber der "Sonne-weg-in-Tokio"-Effekt tritt schnell ein. Es ist ar..kalt. Wie macht diese Stadt das nur immer? Aber der Tag war wettertechnisch echt 1A. Vielen Dank, Wettergötter!

Schnell noch weiter zur letzten Station. Ich habe nur noch 63 Minuten Zeit, bis der Park schließt (um 22 Uhr). Ich renne (soweit das mit Füßen möglich ist, die sich so anfühlen, als hätte ich sie bis auf die Knochen heruntergelatscht) zum Big Thunder Mountain, einer Western-Achterbahn, die eine Warteschlange von 60 Minuten ausweist. Blick auf die Uhr: genau 60 Minuten. Ich werde durchgewunken, alles klar. Ich werde drankommen. Die Wartezeit wird auf etwa 55 Minuten verkürzt. Ha, Park, ich habs dir gegeben! Ich hab gewonnen! Die Fahrt ist toll. Schön lang, ein guter Abschluss.

Noch ein paar Fotos vom nächtlich wunderschön illuminierten Märchenschloss, aus dem Resort heraus vorbei an den überfüllten Souvenirshops außerhalb, die "zum Glück" (tz, Japaner) auch noch eine Stunde nach Schließung des Parks offen haben (und eine halbe Stunde zuvor, meine ich), sodass man die letzten Kröten für 8-Euro-Cornflakes im Disney-Pappkarton zu 300 Gramm oder für Boarding-Reisetrollys mit Mouse-Relief zu 220 Euro ausgeben kann.

In der Bahn schlafen sie alle friedlich und umklammern glücklich ihre Errungenschaften.

Nun weiß ich aber auch, warum ein relativ kleiner Park (flächentechnisch) wie der in Tokio 4-Tage-Tickets verkauft. Es ist einfach total überlaufen. Ich frage mich wirklich, zu welchem Zeitpunkt man diese grenzenlose Geduld vermittelt bekommt. Ich denke, mit dem Geschenk der ersten Jahreskarte mit 4 Jahren. Denn die hat wohl beinahe jeder Tokionese. Lohnt sich ja auch schon nach 14 Besuchen im Jahr.

In diesem Sinne gute Nacht.
Die weiteren Berichte hole ich schnellstens nach. Dieser hier war einfach zu lang.

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Am Freitag hat man frei... laut dem Sams

Ja, ich habe mir frei genommen in meinem Urlaub. Es war einfach an der Zeit, einmal richtig auszuspannen. So habe ich mich morgens gegen 10 Uhr gemütlich auf den Weg gemacht und mich bei strahlendem Sonnenschein und sicherlich 14 Grad um diese Uhrzeit in den Hibiya-Park gesetzt und mein Buch gelesen - "Der siebte Tod" von Paul Cleave. Kann ich bisher voll empfehlen, obwohl ich sonst ganz andere Bücher lese.

Den Hibiya-Park habe ich eher zufällig beim Umsteigen entdeckt. Bin in der Metro an einem Wegweiser mit Karte vorbeigekommen und den Park darauf gesehen. Also einfach mal spontan hochgestiefelt und einen schönen kleinen Park vorgefunden. Parallel habe ich ein Onigiri mit Tunfisch-Mayo-Füllung gegessen und mir die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Einfach nur genial.

Im See direkt vor mir habe ich nach und nach lauter Schildkröten entdeckt. Überall saßen sie auf Steinen und haben die Hälse gen' Himmel gestreckt. Kleine wie große. Manchmal 7 auf einem Fleck, halb übereinander, manchmal nur eine allein. Allerdings waren die nicht echt. ^_^ Hat der Erschaffer allerdings täuschend echt und beeindruckend hinbekommen.

Im Hintergrund spielte klassische Musik. Offenbar ist eine Parkfläche weiter ein Konzert gegeben worden, denn ab und an ertönte Applaus. Einmal wurde etwas über die Sprechanlage (die jeder Park und jeder Gebäudekomplex besitzt) ausgerufen. Da ich aber nicht mitten im Geschehen sein wollte, habe ich einfach die Beine von mir gestreckt und den Frühling genossen. Alles blühte, duftete, zwitscherte. Eine Katze, ein Rabe und ein Kleinkind besuchten mich. Die Karpfen schwammen glücklich und seelenruhig im Teich.

In Japan haben sie übrigens oft, gerade in Parks, geteilte Bänke. Heißt: Die Sitzfläche ist die gleiche, allerdings ist in der Mitte der Bank eine Metallstrebe eingelassen wie eine Armlehne. Ich denke, das soll verhindern, dass Obdachlose die Bank als Schlafstätte nutzen. Vielleicht auch, damit sich die Leute nicht alleine zu breit machen, aber ich glaube eher an die erste Theorie.

Da sich der Park nach und nach mit immer mehr Menschen füllte, die Ihre Mittagspause oder den Feierabend antraten, habe ich mich dann verkrümelt und mich nach einer erneuten Runde Bahnfahren im Yoyogi-Park am Wasser mit einer Fontaine niedergelassen habe. Die Sonne fühlte sich nun nach guten 18-20 Grad an und der ab und an herüberwehende Wassernebel tat richtig gut.

Nach weiteren 2-3 Stunden und einem kurzen Mittagsdösen am Teich bin ich nochmals aufs Tokyo Metropolitan Government Building in Shinjuku hochgefahren, habe den Sonnenuntergang im Warmen genossen und mich so dem "Sonne-weg-in-Tokyo"-Kalteffekt entzogen. Noch schnell ein paar Postkarten gekauft (warum haben große Städte nie tolle Postkarten? Es gibt wirklich alles in dieser Stadt, aber schöne Postkarten - nöööp).

Dort oben habe ich dann auch bei einem Besuch der Örtlichkeiten ein klasse Bild gefunden. Zwei Männchen, ein Kreis drumherum rot = falsch, einer grün = richtig. Man kennt das ja. Es war eine westliche Toilette, mit Toilettenübertöngeräuschen auf Wunsch (ich wünsche sowas nicht, klingt wie Dauerabfluss, soll aber wohl ein Wasserfall sein) und voreingestellter Toilettensitzheizung. Luxusweibchen, ich ^_^ Zurück zu den Männchen: Eines hockte AUF dem Toilettenring in Skispringerhaltung vorm Absprung. Roter Kringel drum. Der andere saß wie ein zivilisierter Mensch auf der Schüssel, das wurde lobend mit Grün bewertet. Ich liebe japanische Hinweisschilder ^_O

Auf dem Rückweg bin ich noch in irgendeinen teuren Kaufhauskomplex geraten, habe mir alle 8 Etagen mehr oder minder intensiv angesehen (in manche Läden traue ich mich ja quasi nichtmal rein, so nobel sehen die aus x__x) und dann auf dem Dach die Weihnachts.. naja, eher Hanamibeleuchtung am Baum auf dem kleinen Dachgarten bewundert (4 Bäume, weiß strahlend).

Dann wieder heim, Bett, Ende.

6.4.09 15:45, kommentieren

Warum man sich einen Friedhof ansieht

Am Samstag war ich weiterhin in meinem Trott aus Gemütlichkeit und Mal-Sehen gefangen. Einen wenn auch wettergrauen Start hatte ich im Ueno-Park.

Nicht ganz so gemütlich wollten es wohl ein paar Demonstranten (sie demonstierten uns Flaggen..) bzw. Protestanten (.. mit Forderungen darauf) angehen lassen. In vollkommen gemischtem Alter traten sie mit ebengenannten Flaggen, Brüll- und Mülltüten auf und verlangten, dass im Park nicht mehr geraucht wird. Ob das nun eine allgemeine Anti-Raucher-Kampagne ist, habe ich leider nicht verstanden, aber sie hoben demonstrativ die achtlos liegengelassenen Zigarettenstummel auf, über die ich mich auch immer kopfschüttelnd ärgere. Schön übrigens das Logo, das auch auf den Straßen oft zu finden ist (wie so ein Marzipanschild mit Aufdruck auf einer Torte). Eine glühend-rauchende Zigarette mit Schuhen (!) mit Schuhen (!!) läuft (!!!) mit Händen (!!!!) in den nicht vorhandenen Hosentaschen (!!!!!) durch die Gegend und beugt sich dabei leicht nach vorn. Wie so ein traurig-gelangweilter Dosenkicker auf der Straße.

Ja, in Japan sind Zigaretten so günstig wie selten irgendwo, und viele rauchen nur ein paar Züge (2-3) und werfen die Kippe dann weg. Wohl wegen der immer giftiger werdenden Stoffe, je näher man dem Filter kommt (ob Ammenmärchen, weiß ich nicht, aber ich kenn so eine "Legende". Aber auf den Straßen sind überall auf dem Boden und an den Wänden Schilder und Aufdrucke angebracht, die besagen, dass "hier" oder allgemein "while walking" nicht geraucht werden soll. Überall herrscht grundsätzlich Rauchverbot, bis auf ausgezeichnete Flächen. "Smoking Areas" haben dafür oft wunderbare Ausblicke und eine klasse Ausstattung, ob nun auf einer Aussichtsterrasse oder in einem Park oder im Zoo.

Mal wieder mussten Herrchen und Frauchen viele seltsame Bonsai-Hunde, von mir "Taschenratten" genannt, durch die Gegend tragen. Das sieht so albern aus, wenn rosa-rot-rüschen-gekleidete Hunde von Kerlen mit grünen Röhrenjeans und lila Lederjacke in der glitzernden Bling-bling-Handtasche der Freundin herumgeschleppt werden. Aber macht mal. So ein Hundi hat ja nun jeder. Es gibt tausende Läden und Cafés, die mit positivem "Doggy Style" aufwarten. Es gibt nun sogar Cafés, da bestellt man erst dem Vierbeiner etwas aus der Speisekarte und erst dann sich selbst einen Kaffee.

An dem Tag bin ich auch einigen Plüschbeinern begegnet. Allesamt Werbefiguren. Ein Frosch (für einen Manga-Store), eine Ente (neueste Lizenzartikel des Tieres erschienen), eine Katze (Pachinko-Spielhalle).

Aber auch echten Menschen begegnet man hier. Einem Bettelmönch aus einem nahegelegenen (schätze ich) Tempel habe ich gespendet. Nicht viel, 100 Yen, aber immerhin macht das mal jemand. Er stand schon eine Stunde vorher an der Stelle in gleicher Position, im Singgebet leise vor sich her sprechend, an einer Hauptkreuzung, und hunderte je Ampelphase gehen vorbei. Ich habe mir dann herausgenommen, ein Foto zu schießen. Das wird auch mein Foto des Tages sein.

Danach bin ich in Richtung Yanaka-Friedhof gegangen, mein heutiges Hauptziel. Auf dem Weg dorthin habe ich gerausgefunden, dass auch in Japan der Mini Cooper als Werbemittel für Red Bull verwendet wird. Im typischen Design und mit einer schräg aufgeschnallten Riesendose stand er auf einem Parkplatz. Ab und an sind heimelige, vertraute Bilder doch ganz gut. Das war der insgesamt zweite Mini, den ich nun überhaupt in Tokio gesehen habe. Seltsam, dass Red Bull dem Motto dennoch treu bleibt. Habe übrigens bisher bewusst Red Bull noch gar nicht im Verkauf gesehen... hmn..

Auf der Suche nach dem Friedhof (eine Ahnung habe ich ja, ausgeschrieben ist er nicht gewesen) komme ich am Nationalmusum für Naturkunde, Bereich Tiere, vorbei und sehe im Park daneben sich hunderte von Obdachlosen versammeln. Sie sitzen in markierten Bereichen fein säuberlich im Quadrat vor- und nebeneinander, oder stehen in einer Reihe ruhig an. Im Park und an der Straße drumherum lauter Rollwagen mit Habseligkeiten, Kartons und blauen Planen. Ein schmerzvoller Anblick für mich, denn es zeigt nun gerade bewusst, wie fortgeschritten die Obdachlosigkeit in Tokio mittlerweile ist. Sicherlich spielt die derzeitige Krise dort einiges mit Hinein. 5 Minuten später fuhr ein Wagen vor, der Tische und Kessel aufstellte und dann mit einer Obdachlosenspeisung begann. Ich hoffe, dass alle Bedürftigen, die vor Ort waren, auch etwas bekommen haben. Sooo groß war der Wagen nämlich nicht. Nebenbei sorgte ein Banjospieler im Park mit lustigen Country-Weisen und einer Mundharmonika für ein wenig Auflockerung.

Der Yanaka-Friedhof wird in Reiseführern als Tipp aufgeführt. Tatsächlich sind die Gräber dort beeindruckend. Es handelt sich wohl vorzugsweise um Familiengräber. Treppenstufen führen auf ein kleines Podest, auf welcher die Gräber oft recht groß angelegt sind. Darauf sind jeweils kleine Mauern, Säulen, Statuen, Altare, Bonsaibäume und Pflanzen. Manchmal auch ein Messingtor. Die Grabanlagen sind aus Stein, oft Marmor, und mit vielen Holzlatten mit Sprüchen darauf. Zu gewissen Anlässen scheint so ein Holzspruch hinzuzukommen, oft sind es wieder dieselben Zeichen, die aneinander gereiht neu aufgestellt werden. Besucher zünden am Grab der Familie Räucherstäbchen an und hinterlassen frische Sträuße. Es ist wirklich beeindruckend, wie diese Gräber angelegt sind, und wie viel Respekt, Erinnerung und Liebe aus ihnen sprechen.

Auf dem Rückweg sehe ich einen Kater, schwarzweiß, den ich locken kann und der sich mir zu Füßen wirft. Ich bin mir nicht sicher, ob es ein Straßenkater ist, aber er scheint auf dem Friedhof (Service-Gebäude, Blumen- und Dekoverkauf) einen Platz gefunden zu haben, von dem er nicht verjagt wird. Der Kater ist zahm, zuckersüß und plüschig-weich. Leider muss ich nach 5 Minuten weiter, wäre sonst nie weggekommen.

Auf dem Ameyoko-Markt (bereits einmal erwähnter früherer Schwarzmarkt unter der Bahnbrücke) sehe ich einen Händler, der ein ganz seltsames, irgendwie erstaunliches Teil verkauft: Ein Clown mit angeklebten Armen und Beinen, der auf Befehl Dinge tut. Sich drehen, Salti schlagen, sich hinlegen, hüpfen. Auch ich werde angehalten, einen Befehl zu geben, auf Englisch. Der Clown macht es. Vielleicht 10 cm hoch, das Ganze. Ein Bierdeckel mit Körperumriss quasi, zwei Arme mit Händen, zwei Beine mit globigen Schuhquadraten, und es macht Dinge auf Befehl, ohne Schnüre. Ein kleines Paket ist auf den Rücken geschnallt.

Bin dann weiter an die Endhaltestelle Asakusa gefahren und habe wieder ein bedrückendes Bild einer Obdachlosen eingefangen. Sie sitzt in einer kleinen Nische aus Pappkartons, hat ihr Hab und Gut hineingepackt, ist sehr alt und gebeugt, sieht total fertig aus, und putzt Schuhe. Ein Amerikaner kommt, hellbraune Cowboystiefel, und genießt offenbar die Macht, die er mit seinem Geld ausübt. Die Dame möchte nicht fotografiert werden, neigt sich weg, verdeckt das Gesicht, als jemand einen Apparat zückt. Sogar Schilder mit durchgestrichener Kamera hat sie an die Kartons geklebt, sicherlich von einem Stand in der Stadt bekommen. Daneben in englisch "PLEASE do not take pictures" hingekrakelt. Sie tut mir so leid. Aber ich konnte nicht umhin, von Weitem ein Foto zu machen, herangezoomt, auf dem man aber ihr Gesicht nicht erkennt. Japan, du bist ein armes Land geworden und kümmerst dich gar nicht um deine treuen Mitmenschen. Immerhin stehen sehr viele Kunden bei ihr an.

Dann ging es noch zur Kappabashi-Dori; die Straße wird auch "Kitchen Town" genannt. Sicherlich 1-2 Kilometer lang erstreckt sich auf beiden Straßenseite eine Ladenzeile aus Geschäften, die nur Küchenartikel verkaufen. Zahnstocher, Pfannen, Teigformen, Besteck, Stäbchen im zig-Pack, Möbel, Schilder, Kunststoff-Secondhand-Demo-Gerichte, Küchentücher... eben alles, was irgendwie auch nur mit Küche zu tun hat, sonst nichts. Allerdings habe ich dem Ganzen nicht so viel abgewinnen können. Für den Koffer zu schwer, also umgekehrt, aber immerhin mal gesehen. Ich frage mich, wie rentabel so etwas ist.

Auf dem Rückweg bin ich an einem Vergnügungspark mitten zwischen Wohnhäusern vorbeigekommen. Kompakt, aber mit Achterbahnen, Spukhaus, Freefalltower, Kettenkarussell usw. Ich bin aber nicht reingegangen, da die Admission-Fee 900 Yen beträgt und jedes Fahrgeschäft dann nochmal extra kostet. Zwischen 200 und 500 Yen umgerechnet in Tickets (je 100 Yen zu kaufen, kostet also im Extremfall 5 Tickets je Fahrt). Da es aber spät war und ich ins Bett wollte, lohnt sich das auch fürs Umschauen nicht. Also einfach mal über die Schranke gelugt und einen Prospekt mitgenommen, den es zum Glück endlich mal in Englisch gab. (Es gibt sooo wenig für Touristen.. seufz)

4 Kommentare 6.4.09 16:54, kommentieren

Buddhistische Einkaufswelt?

Am Sonntag, dem letzten vor der Abreise (die aber erst am Freitag ist ^_^), bin ich morgens nach einem immer schlimmer werdenden Kampf mit der Schläfrigkeit recht spät aufgebrochen. Ziel sollte zuerst der Atago-Schrein sein. Hierbei handelt es sich um eine buddhistische Stätte. Hoch auf einem Hügel gelegen, erklimmt man zuerst die Stufen.. oder man nimmt - hallo? Was ist denn das?! - die Rolltreppe. Okay, ich hab mich dann doch ein wenig gewundert, ebenso, als der Übersichtsplan dann die Tempelanlage als auch ein Atago-Building auswies. Nach einem verwunderten Blick auf die Angaben "Subway", "Starbucks", "Asia...Restaurant" usw. hab ich das dann einfach ignoriert und habe mich wohlweislich in die tatsächliche Anlage verirrt.

Viele Gebäude, aber ausnahmsweise auch einmal einige Blumen und verschiedenste Pflanzungen, und dazu einige Buddha-Figuren an diversen Stellen. Ansonsten bin ich, denke ich, so langsam tempelresistent geworden, denn irgendwie ist der Reiz weg. Es gibt einfach zu viele große wie kleine.

Was ich aber besonders schön fand, war hier ein in die Wand hineingleitender und mit dem Oberkörper bereits wieder ausgetretener wasserspuckender Drache mit goldener Kugel in der Hand. Man stelle sich vor, dass eben Po mit Drachenschwanz und dann wieder Vorderläufe und Kopf aus der Wand schauen. Sogar in schönem auffälligen grün, ein wenig hinter einem Tempel versteckt gelegen und nur dank der Geräusche gesucht und erblickt. Auch gab es einen schön angelegten Wasserpark - oder Bachlauf, nur eben auf schick getrimmt. Eine schöne Anlage war, dass in einen im Wasser liegenden Bottich voller Sand von unten Wasserdruck hineingegeben wurde, wodurch es aussieht, als würde der Sand im Wasser brodeln. Dazu aber auch immer schöne hinweise, dass man nicht ins Wasser treten soll.

Auch habe ich nun mein "Schild No.1 Japan" gefunden:
"No Pets, No Poop" ^_^ Love it!

Danach ging es nochmals nach Harajuku (weil: ist ja Sonntag) und dort habe ich die Harajuku-Kids nochmals angeschaut und wieder ein paar Fotos geschossen. Außerdem gab es dort zwei "Free Hugs"-Leute. Den männlichen von beiden (die Dame hat bald aufgehört) habe ich irgendwann umarmt und mir dadurch meine "Hugs" abgeholt. Ehrlich mal - wenn man alleine in einer Stadt ist und niemanden zum Drücken hat, ist das echt befreiend! Der hat auch wirklich alle umarmt. "Free Hugs - All you need" stand auf dem Schild. Ubnd nach einigen beobachtenen Umarmungen bin ich selbst hin. Sehr nice ^_^

Dann hat ein Duo angefangen, dort Musik zu machen. Der eine als Tempeldiener verkleidet (eigentlich tragen das meine ich eher die Damen) mit Gitarre, der andere als Buddhistischer Mönch, glaube ich. Er schwang zudem irgendeine Fahne und hatte eine Kette mit riesigen Holzkugeln um. Haben schön für Stimmung gesorgt. Leider habe ich die Texte nicht ansatzweise verstanden. Aber durch die manchmal auflachende Menschentraube, die sich mittlerweile angesammelt hatte, scheint es was zu sein, das ankommt.

Dann war ich ein wenig bummeln, und musste mal wieder staunen, wie natürlich es für die meisten Japaner ist, sich irgendwo anzustellen und zu warten. Ein Geschäft, irgendwelche hippen Klamotten, mit Warteführung und entsprechender Menschenschlange darin. Ebenso in der Mittagspause. Da stehen (oder sitzen) die Leute vor manchen Restaurants Schlange, bis sie rein dürfen, um den Laden nicht zu überfüllen. Aber gut, wo viele Menschen aufeinander treffen, da muss das halt anders geregelt werden. Bei uns würde das sicher nur passieren, wenn der alte Lagerfeld mal wieder eine Kollektion für H&M oder sonstwas herausbringt.

Ein weiterer Fund des Wochenendes ist ein Pachinko-Laden (also mal wieder das gute Glücksspiel), der sich Green Peas nennt. Mit den Rettungsaktionen von Greenpeace haben die allerdings wohl rein gar nichts zu tun. Vielleicht kann man ja sogar gewonnene Kugeln gegen Walfleisch eintauschen?! Süßkram, Waschmittel und andere Haushaltsgegenstände gibt es jedenfalls.

Auf dem Heimweg habe ich mir an einem Stand vor einem Bahnhof ein süßes Teilchen mit Vanillefüllung geholt, "neue Creation aus Paris". Nun gut, ich weiß bis heute nicht, wie die das in Japan nennen, aber mit einem Fingerzeig habe ich das gute Stück bestellt und bekommen. Sehr lecker. Also auf Süßigkeiten mit Anlehnung aus Übersee verstehen sie sich, die Japaner.

Ansonsten lassen die Kochkünste weiterhin zu wünschen übrig. Es fehlt an Pepp, und vieles ist zu fettig (frittiert, frittiert, frittiert..) Adieu.

Glasbild in der U-Bahn-Station, Ausschnitt. Gesamt ca. 6x2 Meter

1 Kommentar 8.4.09 02:08, kommentieren

Sonne, Strand und Meer - Urlaub !

Ja, ihr lest richtig. Ich war am Strand, die Sonne knallte und das Meer war in Sicht - jedenfalls war es Meerwasser aus der Bucht vor Tokio. Ich war auf Odaiba, einer künstlich angelegten Insel, die aber von mehreren Seiten mit dem Festland verbunden ist.

Hierzu habe ich mal nicht meine bisherigen Tagestickets verwendet, denn ich musste auf eine fremde Bahngesellschaft umsatteln, aber es hat sich gelohnt, mal überirdisch zu fahren und die Welt zu sehen. Und was das für eine riesige Welt da draußen ist - unfassbar.

Angekommen, sehe ich erst einmal das außergewöhnliche Gebäude der Fuji TV-Gesellschaft. Wie ein Bau aus Legobausteinen und -streben sieht es aus, mit einer riesigen Kugel an der obersten Strebe in der Mitte. Nach Überquerung (Brücke natürlich) des Highways komme ich am Hauptzentrum des angestrebten Komplexes an: Tokyo Decks Beach, SEGA Joypolis und Aqua City.

Tokyo Decks ist ein großer Restaurant- und Shopping-Komplex. Über die vielen frei begehbaren Außenterrassen hat man einen fantastischen Blick über die Bucht und auf die Rainbow Brigde, eine Hängebrücke, über die der Hauptverkehr nach Tokio hinein fließt, sowohl per Bahn als auch mit dem Auto oder LKW. Der Blick reicht bis weit ans Ende der künstlichen Insel auf den Hafen und einige kleine Garten- und Sichtschutzinseln. Die Bucht selbst ist mit Sand ausgelegt und steht einem Sandstrand in Spanien in nichts nach. Nur baden ist hier strengstens verboten, obwohl das Wasser selbst sauber ist und es sogar Bewohner gibt - kleine wendige Fischlein, harmlose Quallen und wohl auch kleine Krebse.

Die Decks und der Weg unten am Strand entlang sind komplett mit Holzdielen belegt und Palmen sind oft gepflanzt. Mal in Kübeln auf den Decks, mal in einem Grüngewirr am Wegesrand. Die Menschen kommen Hand in Hand und setzen sich an den Strand und genießen die Atmosphäre bei Eis und kühlen Getränken. Eine Strandbar mit karibischen Klängen und Heinecken-Bier sorgt für den Rest. Auch ich habe mich erst einmal (nach einem Spaziergang an der Bucht entlang) an den Strand gesetzt und einfach eine Stunde nichts getan, mich dann hingelegt und eine halbe Stunde gedöst, um mich dann wieder eine halbe Stunde hinzusetzen und dann einem gepflegten Shopping-Trip hinzugeben.

Zum Mittagessen habe ich mir ein Thunfisch-Mayo-Onigiri geholt und für danach einen Käsekuchen-Sahne-Frucht-Flanbecher aus dem Supermarkt. Von allem ein wenig drin, und die wohl köstlichste Sache, die ich bisher (und im Nachhinein betrachtet im ganzen Urlaub und seit langem überhaupt) gegessen habe. Ja, auf Süßigkeiten-Kreationen aus anderen Ländern, auch kombiniert, verstehen sich die Japaner wirklich verdammt gut. Ich habe das am Vortag schonmal gesagt oder gedacht, aber ich muss es einfach nochmal sagen. Toll toll toll!

Dann habe ich mich in einen Kitty-Store verirrt. Grund war der Eingang, der von einer riesigen rosa-pink-gestreiften Katze umrahmt wird. Der Eingang ist quasi durch das Katzenmaul hinein in den Laden. Klasse Idee. Erst sah ich nur Kratzbäume und Halsbänder und allerlei Katzenkram. Kater hätte sich sicher wohl gefühlt, aber plötzlich eine lebendige Katze im Schaufenster! Kawaii (süß! Offenbar hat der was Böses angestellt, denn wie ich später rausfand, gabs da noch viel mehr Katzen. Vorne ist nur der Shop mit allem, was Katzen sicherlich nicht brauchen und auch gar nicht erst haben wollen, hinten aber, durch eine separate Kasse getrennt, gibt es einen Katzenschmusebereich mit vielen tollen Katzen aller nur möglichen Rassen. Ich habs aber dennoch gelassen. Habe doch meine vernachlässigten Straßenbiester *love*, wofür Geld ausgeben für Katzen, die alle paar Minuten von neuen Händen umgarnt werden und dadurch schon einen Knacks abbekommen haben oder resigniert haben?

So langsam ging dann die Sonne unter. Solange nicht passiert, bin ich ins Sony-Center in Aqua City gegangen, und habe mir die neueste Technologie und verschiedene Einrichtungen, TVs und Heimkinoanlagen angesehen und angehört. Als die Sonne dann wirklich schwächer wurde, bin ich raus zur Freiheitsstatue (ja, auch so eine haben die - nicht nur den Eifelturm) und habe von dort aus einige Bilder von der Bucht, der Brücke und natürlich der guten Dame geschossen.

Wieder mal ein schönes Schild - die Japaner sind da echt Meister drin - mit Bildern (stellt euch einfach die dümmsten Figuren und Situationen dazu vor):

  • Do not damage the facilities (also Bänke und sowas)
  • Do not litter (verschmutzen)
  • Do not annoy someone by playing baseball, golf, whatever
  • Do not enter prohibited zones
  • Do not ride motorcycles and the like into the park
  • Do not peddle (hausieren)
  • Post no bills! (Plakate kleben)
  • Do not damage trees, flowers and other plants
  • Do not catch birds or fish

Würd mir alles gar nicht einfallen, und vor allem keinem Japaner. Ob die das allerdings aufgrund der guten Erziehung oder der ständigen Erinnerungen durch solche Schilder nicht machen, kann ich gar nich mal sagen. Letzteres würde immerhin einiges erklären... Hmn. Ansonsten ist das einfach ein freundlich-bestimmter Hinweis an andere Nationen - an die Aliens, sozusagen. Denn das sind wir am Flughafen offiziell - die Alien Registration müssen wir Einreisenden mit Fingerabdrücken und Foto bestehen.

Eigentlich bin ich ja nach Odaiba rüber, um Palette Town zu sehen. Zum Glück habe ich das nachgeschoben, denn so viel, wie angekündigt, war das dann doch nicht. Immerhin der Toyota Showroom, in dem auf zweieinhalb Etagen die aktuellen und angekündigten Modelle zu sehen sind, daneben Venus Fort, ein riesiger Einkaufskomplex, bis auf einen kleinen Abschnitt komplett auf Venezianische Stadt getrimmt, nur ohne Wasserstraßen, leider - war also eher (neutral gesprochen) italienisches Flair, dafür aber nicht weniger schön. Die Preise dagegen waren nichts für meine Gemüter. Gehörte doch schon weitestgehend zur gehobenen Klasse, wenn auch nicht Gucci oder Prada.

Das Highlight - ich hätte beinahe geheult vor Überwältigung - war die Fahrt mit dem Riesenrad. Mit einem Durchmesser von 100 m eines der größten der Welt. Die Fahrt bei Nacht war .. WOW. Der Hafen auf der einen Seite, die Stadt auf der anderen. Die Lichter, starr und bewegt, die Rainbow Bridge, die Skyline auf der anderen Seite des Wassers... Und das Rad selbst wechselt regenbogenartig andauernd die Farben. Einfach nur ein Erlebnis, das jeden Cent wert war. Oder Yen. 900 Yen, also irgendwo zwischen 7 und 8 Euro, eine Gondel 10 Minuten lang für mich allein. Nur leider hat die Kamera keine guten Nachtbilder ausgeworfen, was mich nach gefühlt unendlicher Knipserei hinterher doch etwas enttäuscht hat.

1 Kommentar 9.4.09 14:49, kommentieren